Der dunkle Teil
Ein Teil meines Wesens ist dunkel. Es ist der Teil, in dem ich aufhöre, ein zivilisiertes Wesen zu sein. Ich nenne ihn "den Dunklen". Er würde töten um zu überleben, er besitzt eine "Witterung" und Reflexe, die schneller sind, als die eines denkenden Menschen und schneller als das Auge, er paart sich niemals mit schwächeren Wesen und er ist wild. Er kennt kein gut und böse, sondern ist einfach nur er selbst. Er ist ein Raubtier und er ist in seiner Gier animalisch und kennt keine Scham und keine Norm, außer der, die die Natur ihm gegeben hat. Er wurde noch niemals von einem anderen Menschen gesehen - er ist wie ein Schatten und doch präsent.
Ich habe "den Dunklen" die meiste Zeit meines Lebens gefürchtet und nicht gesehen, dass er es ist, der mir Lebenskraft und Kreativität spendet. Er ist das Gegengewicht zum Hellen, zu meinem zivilisierten, nach Wachstum strebenden und liebevollen Teil und doch ist er nicht ohne Liebe. Ohne ihn bin ich nicht ganz. Der Dunkle liebt die Wahrhaftigkeit beinahe noch mehr, als der helle Teil, denn nur mit ihr, wird er je gesehen und angenommen werden können. Diese klare Bewusstheit mit der ich ihn betrachte - betrachten kann - macht mich froh und ich begrüße ihn wie einen verloren gegangenen Freund. Er ist nicht das Gegenteil von Gut und Hell, er gehört wie diese zu einem größeren Ganzen, das Leben heißt und ist lediglich die andere Seite der Medaille.
Nach all den Jahren ist er nun endlich angekommen und angenommen und hat ebenso ein Zuhause gefunden wie der Rest, der so viel besser in diese zivilisierte Welt passt.
