Sie war die Sternenfängerin
ich war hartnäckige drei jahre heftigst verliebt in sie, aber nein, das ist nicht wahr.... ich kann sagen, ich liebte sie und ich war etwa 22, doch ich war noch viel zu klein. B. war damals das größte mir bekannte wesen und damals fand ich sie zum niederknien schön. sie konnte die sonne halten und hat die sterne wie knöpfe angenäht. und ich war viel zu klein.
ich wusste, sollte ES jemals geschehen, so wäre ich verloren, ich hätte mich in meine einzelbestandteile aufgelöst wie eine pusteblume und mich in ihren himmel verstreut. ich hatte angst und sie eine familie. angst vor dem nicht-sein oder meinetwegen auch: angst vor dem allessein, das wäre in diesem augenblick so ziemlich das selbe gewesen. aber vielleicht ist es das sogar immer...
ES ist nie geschehen und heute lebt sie in südamerika. was früher laut war und mich nächtelang wach liegen ließ, macht mir heute ein weiches, heimatliches gefühl, sehr zärtlich und tief, sehr liebevoll und sehr still, so wie ein lächeln nach einer langen und schmerzhaften, aber überstandenen krankheit, mit dem wissen, dass man sie nur um haaresbreite überlebt hat.
sie ist immer noch schön, vielleicht sogar noch mehr, auch wenn sie jetzt ca. 10 jahre älter ist (so wie ich auch) und der gedanke, das nun die ersten grauen haare an ihren schläfen zu sehen sein müssen, berührt mich seltsam....
für den rest unseres lebens werden wir unsere nähe am abstand überprüfen und immer nahe und gleichzeitig weit weg sein. eins ist geblieben wie immer: es ist immer noch nah und gleichzeitig fern - es ist alles und zur selben zeit nicht das geringste.
