"Vielleicht hätte ich nicht schlafen sollen, vielleicht hätte ich mehr zuhören sollen, mehr da sein sollen, mehr lieben sollen, man tut es nie genug, man kann sich nicht vorstellen, dass der letzte Tag ganz nah ist, man kann es nicht, denn Sie reden ganze Nächte hindurch, man sollte mehr tun, ja, aber was, eine Art Liebe erfinden, die noch größer wäre....."
aus "Diese Liebe" von Yann Andréa
Immer und überall sprechen wir von der Liebe, schreiben über sie..... lassen uns berühren von den wirklich großen Liebenden und den Geschichten, die von Ihnen erzählen und die bis in die heutigen Tage reichen, wie ein in Stein gemeißeltes Gebot.
Erst recht lieben wir die unmögliche Liebe, bewundern ihren Mut, lassen uns inspirieren und mitreißen von ihren außergewöhnlichen Gestalten, die immer außergewöhnliche Dinge tun, so als lebten sie den letzten ihrer Tage (und den garantiert nicht in unserer Welt, sondern in irgendeinem Parallel-Universum, in dem man nie aufs Klo muss und wo die Sonnenuntergänge immer grandios sind). Niemals tun sie etwas Banales oder verschwenden Zeit. Ganz im Gegensatz zu uns.
Wir weinen über diese Legenden, wie wir über alle Dinge weinen, die mit sich spontan entladendem Leben zu tun haben, mit Leben, das einfach IST, dass uns an das Große erinnert, das wir im Herzen trugen, als wir 15 waren.... zumindest, wenn es recht um uns bestellt war.
Und darüber, dass wir es heute nicht mehr spüren, auch wenn es im verzweigten Geäst unserer Herzen noch eine Nische gibt, in der es lebt - nur für den Fall, dass es uns einmal glaubhaft (und bewiesenermaßen) begegnen sollte - und nur für den Fall, dass wir dann wissen, was wir zu entgegnen haben und was zu empfinden.
Und wir wünschen uns, auch so vortrefflich geliebt zu sein, Eins zu sein mit einem anderen Wesen... vor lauter Liebe sterben, sich auflösen, miteinander verwachsen.... ja, sich so leidenschaftlich lieben, dass man auch hassen, auch töten, auch wehtun muss, weil die Zeit kommt, in der man einander nicht mehr erträgt.... von aller Verantwortung enthoben zu sein, weil man nicht anders konnte, als zu lieben.
Ich glaube, in Wahrheit haben wir keine Ahnung. In Wahrheit, Ihr Lieben, haben wir die Hosen gestrichen voll. In Wahrheit dulden wir weder eine unmögliche Liebe, noch sind wir bereit, uns loszulassen, ganz zu vertrauen, uns hinzugeben - egal um welchen Preis.
Ich sage: In Wahrheit wissen wir rein gar nichts. - schon, weil wir alles immer so genau wissen!
Postskriptum:
Und.... eins fällt mir dazu noch ein: Das wir ganz genau wissen, wie wir leben sollten. Es reicht, wenn wir die Momente prüfen, in denen wir weinen müssen, um zu wissen, was uns fehlt.