Grüner Dinosaurier schmeckt wie Tangotanz
Es ist ein Drama. Ich musste 33 Jahre alt werden, um herauszufinden, dass das, was ich die längste Zeit meines Lebens hatte und vor den meisten Menschen verborgen hielt, einen Namen hat: Synästhesie
Das Abgefahrendste daran ist für mich wohl, wenn die Dinge "reden". Kann sich Einer vorstellen, wie anstrengend die Welt sein kann, in der man lebt, wenn nicht nur die Menschen, sondern auch noch die Dinge reden?
Was ist Synästhesie? - Definition
Das Phänomen, Gerüche nicht nur zu riechen, sondern auch sehen oder hören oder fühlen zu können oder aber Farben zu hören oder Töne zu sehen, kennzeichnet eine Verknüpfung der Sinne und nennt sich in der Fachsprache Synästhesie.
Griechisch : Mitempfindung (syn = zusammen; áisthêsis = Wahrnehmung). Synästhesie wird im allgemeinen die Erscheinung genannt, bei der durch Reizung irgendeines Sinnesorganes eine lebhafte Wahrnehmung nicht nur auf dem Gebiet des betreffenden Sinnes, sondern auch auf einem oder mehreren anderen Sinnesgebieten hervorgerufen wird (Vikainen 1958).
Wie viele Menschen Synästhetiker sind ist noch unklar. Nach Baron-Cohen ist es 1 von 2000, nach Cytowic 1 von 25 000, nach Emrich 1 von 500 bis 1 von 1000. Das Verhältnis von Frauen zu Männern ist dabei 8:1. Wobei Richard Cytowic in New York davon ausgeht, dass jeder Mensch synästhetisch veranlagt ist, es aber nur wenige wissen, dass sie Synästhetiker sind.
Dieses Phänomen der Synästhesie wird zur Zeit von mehreren Forschergruppen untersucht, um neue Erkenntnisse über das Bewußtsein des Menschen zu erlangen.
Allerdings: Synästhesien sind subjektiv!
Georg Anschütz erhielt als Ergebnis vieler Versuche mit Synästhetikern das Resultat, dass bei den verschiedenen Versuchspersonen keine einheitlichen Doppelempfindungen auftraten. Klaus-Ernst Behne kam zu einem eben solchen Ergebnis, als er der geheimen Verbindung von Vokalen und Farben auf die Spur kommen wollte (Behne 1991):
"Das Ergebnis war erfreulich und niederschmetternd zugleich: alle Befragten nannten mir bereitwillig ihre jeweils präferierten Farbvorstellungen, aber bei jedem waren es andere Farben!"
Erscheinungsformen der Synästhesie
Die häufigste Erscheinung ist das Farbenhören.
Das bedeutet, dass jemand beim Hören von Musik oder Klängen unmittelbar Farben sieht, zumeist 20-30 cm vor den Augen, obwohl diese Farben real nicht im äußeren Raum vorhanden sind.
"Das Sehen der Farben beruht vorwiegend auf äußerer Reizung, manchmal sogar in dem Maße, daß das Sehen der Farben nur solange anhält, wie der Ton zu vernehmen ist." (Vikainen 1958)
So erhält ein bestimmter Ton eine Farbe. Diese Zuordnung besteht bei genuinen Synästhetikern ein Leben lang.
Häufig löst auch ein gesprochener oder nur gedachter oder gelesener Buchstabe eine damit fest verbundene Farbe aus: es gibt viele Synästhetiker, die farbige Buchstaben oder/und Zahlen oder/und Wochentage haben.
Das Farbenhören wurde 1690 mit einer Äußerung des Philosophen Locke bekannt. Dieser erwähnte einen Blinden, welcher den Klang einer Trompete "rot" hörte.
Geheimhaltung
1812 erschien die erste klinische Studie von dem Arzt G.T.L. Sachs über das Farbenhören, der Synästhesien in einen pathologischen Umkreis einordnete. Auch heute noch haben viele Menschen, die synästhetisch wahrnehmen, Angst als verrückt zu gelten, wenn sie von ihren Wahrnehmungen erzählen. Denn kaum jemand versteht die synästhetischen Beschreibungen.
Beispiel: "Zuwenig Spitzen auf den Hähnchen"
Aus: Cytowic Richard E.: Farben hören, Töne schmecken. Die bizarre Welt der Sinne.
"Ich sah zu, wie er die Sauce aufschlug, die er zu den Brathähnchen reichen wollte. "Oh je", sagte er und nippte an einem Löffel, "Da sind zuwenig Spitzen auf den Hähnchen." "Zuwenig was?" fragte ich. Er erstarrte und lief rot an. (..) "Jetzt denken Sie bestimmt, daß ich verrückt bin", stammelte er und warf den Löffel hin. (..) "Aber das ist bei mir so, wissen Sie, daß ich Formen schmecke." Er sah beiseite. "Wie soll ich das erklären?" fragte er sich selbst.
"Aromen haben Formen", begann er und starrte in die Tiefen der Bratreine. "Ich wollte, daß der Geschmack dieser Hähnchen eine spitze Form hat, aber er ist ganz rund herausgekommen". Er schaute zu mir auf, immer noch rot. "Ja, ich finde, er ist fast kugelförmig", sagte er mit Nachdruck. (..) "Wenn sie keine Spitzen haben, kann ich sie nicht auf den Tisch bringen."
Ist Synästhesie erlernbar?
Die Forschergruppe um Prof. Dr. Hinderk Emrich in Hannover (s. auch "Welche Farbe hat der Montag? Leipzig 2002) unterscheidet genuine und methaphorische Synästhetiker. Genuine haben eine feste Zuordnung von beispielsweise Farben zu Tönen, die über das ganze Leben konstant bleibt. In diesem Sinne sind sehr wenige Menschen Synästhetiker.
Metaphorische haben ausgeprägte bildliche geometrische und farbige Erlebnisse z.B. zu Musik. Die beiden Formen sind schwer voneinander zu unterscheiden.
Nach Emrich ist die genuine Form nicht erlernbar, aber "die innere Wachheit für die eigenen Emotionen, die vor allem die Gefühlssynästhesie kennzeichnet", könne man sich aneignen.
So bezeichnet Emrich Synästhesie als eine besondere Form der Organisation bei der Darstellung von Denkinhalten in der Großhirnrinde und betrachtet Synästhesie insofern als eine besondere Lebensform, die erhöhte Kreativität, geistige innere Absicherung und eine innere Stabilität beinhaltet.
Richard Cytowic in New York geht davon aus, dass jeder Mensch synästhetisch veranlagt ist, wobei aber nur wenige Menschen wissen, dass sie Synästhetiker sind.
Synästhesien sind beim Lernen von abstrakten Dingen im Sinne von zusätzlichen Ankerpunkten, Eselsbrücken oder Andockpunkten für neues Wissen sehr hilfreich.
[Quelle: http://www.synaesthesiewerkstatt.de/]
Das Abgefahrendste daran ist für mich wohl, wenn die Dinge "reden". Kann sich Einer vorstellen, wie anstrengend die Welt sein kann, in der man lebt, wenn nicht nur die Menschen, sondern auch noch die Dinge reden?
Was ist Synästhesie? - Definition
Das Phänomen, Gerüche nicht nur zu riechen, sondern auch sehen oder hören oder fühlen zu können oder aber Farben zu hören oder Töne zu sehen, kennzeichnet eine Verknüpfung der Sinne und nennt sich in der Fachsprache Synästhesie.
Griechisch : Mitempfindung (syn = zusammen; áisthêsis = Wahrnehmung). Synästhesie wird im allgemeinen die Erscheinung genannt, bei der durch Reizung irgendeines Sinnesorganes eine lebhafte Wahrnehmung nicht nur auf dem Gebiet des betreffenden Sinnes, sondern auch auf einem oder mehreren anderen Sinnesgebieten hervorgerufen wird (Vikainen 1958).
Wie viele Menschen Synästhetiker sind ist noch unklar. Nach Baron-Cohen ist es 1 von 2000, nach Cytowic 1 von 25 000, nach Emrich 1 von 500 bis 1 von 1000. Das Verhältnis von Frauen zu Männern ist dabei 8:1. Wobei Richard Cytowic in New York davon ausgeht, dass jeder Mensch synästhetisch veranlagt ist, es aber nur wenige wissen, dass sie Synästhetiker sind.
Dieses Phänomen der Synästhesie wird zur Zeit von mehreren Forschergruppen untersucht, um neue Erkenntnisse über das Bewußtsein des Menschen zu erlangen.
Allerdings: Synästhesien sind subjektiv!
Georg Anschütz erhielt als Ergebnis vieler Versuche mit Synästhetikern das Resultat, dass bei den verschiedenen Versuchspersonen keine einheitlichen Doppelempfindungen auftraten. Klaus-Ernst Behne kam zu einem eben solchen Ergebnis, als er der geheimen Verbindung von Vokalen und Farben auf die Spur kommen wollte (Behne 1991):
"Das Ergebnis war erfreulich und niederschmetternd zugleich: alle Befragten nannten mir bereitwillig ihre jeweils präferierten Farbvorstellungen, aber bei jedem waren es andere Farben!"
Erscheinungsformen der Synästhesie
Die häufigste Erscheinung ist das Farbenhören.
Das bedeutet, dass jemand beim Hören von Musik oder Klängen unmittelbar Farben sieht, zumeist 20-30 cm vor den Augen, obwohl diese Farben real nicht im äußeren Raum vorhanden sind.
"Das Sehen der Farben beruht vorwiegend auf äußerer Reizung, manchmal sogar in dem Maße, daß das Sehen der Farben nur solange anhält, wie der Ton zu vernehmen ist." (Vikainen 1958)
So erhält ein bestimmter Ton eine Farbe. Diese Zuordnung besteht bei genuinen Synästhetikern ein Leben lang.
Häufig löst auch ein gesprochener oder nur gedachter oder gelesener Buchstabe eine damit fest verbundene Farbe aus: es gibt viele Synästhetiker, die farbige Buchstaben oder/und Zahlen oder/und Wochentage haben.
Das Farbenhören wurde 1690 mit einer Äußerung des Philosophen Locke bekannt. Dieser erwähnte einen Blinden, welcher den Klang einer Trompete "rot" hörte.
Geheimhaltung
1812 erschien die erste klinische Studie von dem Arzt G.T.L. Sachs über das Farbenhören, der Synästhesien in einen pathologischen Umkreis einordnete. Auch heute noch haben viele Menschen, die synästhetisch wahrnehmen, Angst als verrückt zu gelten, wenn sie von ihren Wahrnehmungen erzählen. Denn kaum jemand versteht die synästhetischen Beschreibungen.
Beispiel: "Zuwenig Spitzen auf den Hähnchen"
Aus: Cytowic Richard E.: Farben hören, Töne schmecken. Die bizarre Welt der Sinne.
"Ich sah zu, wie er die Sauce aufschlug, die er zu den Brathähnchen reichen wollte. "Oh je", sagte er und nippte an einem Löffel, "Da sind zuwenig Spitzen auf den Hähnchen." "Zuwenig was?" fragte ich. Er erstarrte und lief rot an. (..) "Jetzt denken Sie bestimmt, daß ich verrückt bin", stammelte er und warf den Löffel hin. (..) "Aber das ist bei mir so, wissen Sie, daß ich Formen schmecke." Er sah beiseite. "Wie soll ich das erklären?" fragte er sich selbst.
"Aromen haben Formen", begann er und starrte in die Tiefen der Bratreine. "Ich wollte, daß der Geschmack dieser Hähnchen eine spitze Form hat, aber er ist ganz rund herausgekommen". Er schaute zu mir auf, immer noch rot. "Ja, ich finde, er ist fast kugelförmig", sagte er mit Nachdruck. (..) "Wenn sie keine Spitzen haben, kann ich sie nicht auf den Tisch bringen."
Ist Synästhesie erlernbar?
Die Forschergruppe um Prof. Dr. Hinderk Emrich in Hannover (s. auch "Welche Farbe hat der Montag? Leipzig 2002) unterscheidet genuine und methaphorische Synästhetiker. Genuine haben eine feste Zuordnung von beispielsweise Farben zu Tönen, die über das ganze Leben konstant bleibt. In diesem Sinne sind sehr wenige Menschen Synästhetiker.
Metaphorische haben ausgeprägte bildliche geometrische und farbige Erlebnisse z.B. zu Musik. Die beiden Formen sind schwer voneinander zu unterscheiden.
Nach Emrich ist die genuine Form nicht erlernbar, aber "die innere Wachheit für die eigenen Emotionen, die vor allem die Gefühlssynästhesie kennzeichnet", könne man sich aneignen.
So bezeichnet Emrich Synästhesie als eine besondere Form der Organisation bei der Darstellung von Denkinhalten in der Großhirnrinde und betrachtet Synästhesie insofern als eine besondere Lebensform, die erhöhte Kreativität, geistige innere Absicherung und eine innere Stabilität beinhaltet.
Richard Cytowic in New York geht davon aus, dass jeder Mensch synästhetisch veranlagt ist, wobei aber nur wenige Menschen wissen, dass sie Synästhetiker sind.
Synästhesien sind beim Lernen von abstrakten Dingen im Sinne von zusätzlichen Ankerpunkten, Eselsbrücken oder Andockpunkten für neues Wissen sehr hilfreich.
[Quelle: http://www.synaesthesiewerkstatt.de/]
Eskorte fragile - 31. Dez, 13:01







Geradezu fantastisch finde ich aus persönlichen Gründen, dass Du diesen Beitrag jetzt bringst. Alle Erklärungsversuche warum das für mich so fantastisch und unwirklich ist würden einfach zu blöd klingen und auch auf die Schnelle zu unausgegoren, daher lasse ich das lieber.
was grunsätzlich daran nützlich ist, kann ich nicht pauschal sagen - ich kann nur für mich selbst sprechen. es macht das dasein um einiges reicher und fördert das verständnis für die dinge und ihren zusammenhänge, wenn man begonnen hat, zu begreifen, dass alles nach der selben methode funktioniert (wovon wir nur sehr eingeschränkt ahnung haben). ein synästhetiker kann diese dinge ERLEBEN, also durch erfahrung be-greifen. und das finde ich doch durchaus nützlich.
es gibt da eine tabelle, die die möglichen assoziationen aufführt. die, von denen ich sicher bin, dass sie bei mir auftreten, habe ich fett gemacht.
die % sind von 738 getesteten Personen
Graphemes -> colors.............................= 66.5%
Time units -> colors............................. = 22.8%
Musical sounds -> colors.......................= 18.5%
General sounds -> colors......................= 14.5%
Phonemes -> colors.............................. = 9.9%
Musical notes -> colors.......................... = 9.6%
Smells -> colors...................................= 6.8%
Tastes -> colors.................................. = 6.6%
Pain -> colors.................................... = 5.8%
Personalities -> colors..........................= 5.5%
Touch -> colors..................................= 4.0%
Temperatures -> colors..........................= 2.4%
Orgasm -> colors................................ = 1.0%
Emotions -> colors...............................= 1.0%
Kinetics -> sounds................................= 0.4%
Musical notes -> tastes..........................= 0.1%
Personalities -> smells..........................= 0.4%
Personalities -> touch...........................= 0.1%
Smells -> sounds..................................= 0.5%
Smells -> tastes...................................= 0.1%
Smells -> temperatures..........................= 0.1%
Smells -> touch..................................= 0.6%
Sounds -> kinetics................................= 0.5%
Sounds -> smells..................................= 1.8%
Sound -> tastes...................................= 6.2%
Sound -> temperatures...........................= 0.5%
Sound -> touch...................................= 4.0%
Tastes -> sounds..................................= 0.1%
Tastes -> temperatures..........................= 0.1%
Tastes -> touch..................................= 0.5%
Temperatures -> sounds.........................= 0.1%
Touch -> smell....................................= 0.3%
Touch -> sounds..................................= 0.4%
Touch -> tastes...................................= 0.6%
Touch -> temperatures...........................= 0.1%
Vision -> smells...................................= 1.0%
Vision -> sounds.................................= 1.5%
Vision -> tastes...................................= 2.1%
Vision -> Temperatures..........................= 0.3%
Vision -> touch...................................= 1.0%
ogasmus ist ein chinesisches feuerwerk :-) die verknüpfung der wahrnehmungen macht mich außerdem hin und wieder auch außerordentlich kreativ.
ist deine frage damit beantwortet?
bei mir ist es so, dass ich worte sehe, spüre, rieche. das klingt irgendwie so "normal", ist es aber irgendwie doch nicht.
mir erzählt jemand etwas und ich habe bilder, aber eigene, oft nicht jene, die alle anderen als beschrieben erkennen.
meine farben vermengen sich zu kaskaden und so. es fallen bilder zu kaleidoskopen. das absonderliche bei mir ist dann halt, dass sie als *andere* worte aus meinem mund fallen.
ich kann das zum schreiben verwenden. höre aber dadurch natürlich oft den vorwurf, dass ich zu poetisch schreibe, zu wenig realitätsnah und meine begriffe oft abstrakt sind.
bisher hat mich das nicht sonderlich aufgeregt - wirds auch in zukunft nicht - aber als ich das gelesen habe, dachte ich plötzlich: aha, vielleicht liegt da einiges im busch. vielleicht können mich die anderen deshalb so oft nicht *verstehen*?
und erscheint mir vielleicht deshalb mein gefühlseindruck höher ausgebildet, wie bei so manchem anderen?
haben die weniger sinnlichere eindrücke, weil vielleicht nur auf einen sinn bezogen?
sehr interessant ...
lieben gruß
von der lylo
das fatale ist: die antwort ist ja und nein zugleich. nein, weil EIN sinnlicher eindruck, den andere ja auch haben, zu assoziationen führt und auslöser ist für alle anderen sinneswahrnehmungen. und ja weil alle wahrnehmungen gleichzeitig auftreten und man dadurch wohl umfangreicher wahrnimmt, als andere.