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Kondolenz-Groteske

Heute Nacht war ich bei Frau W.'s Sterben zugegen. Der Theatersaal ist gefüllt bis auf den letzten Platz. Auf der Bühne steht ein schmales Bettgestell auf Rädern, wie es für Krankentransporte verwendet wird. Unter Kondolenzbezeugungen wird sie herein geführt, flankiert von Männern in schwarzen Anzügen.
Wie immer trägt sie den blauen Rock, die Strickjacke. Eine blonde Dame hilft ihr auf die Liege. Sie zieht auch die Spritze auf.
Als ich mich frage, was sie wohl für einen Unterrock trägt, schreit die Blonde und rammt ihr die Nadel ins Fleisch. Über dem Saal hängt angemessene Totenstille.
Sekunden später trieft gelber Schaum aus ihrem Mund, die Haare stehen zu Berge und sie zappelt, als stünde sie unter Elektroschock. Die Unterrockfrage ist vergessen. Ich will wegsehen, aber ich kann nicht. Das Schauspiel ist zu schaurig.
Das Ensetzen ist den Zuschauern ins Gesicht geschrieben. Der Mann neben mir schnauft mit angewidert verzogenen Mundwinkeln. So viel Sterbebegleitung hätte nun echt nicht sein müssen.
Frau W. vollbringt einen dumpfen Bauchklatscher auf die graue Auslegware der Bühne, die Arme rudern und erinnern mich an Glieder von KZ-Leichen - grau, skelettartig und irgendwie nicht dem Körper zugehörig - verrenkt zu einer Groteske.
Frau W. will einfach nicht sterben. Gemurmel erhebt sich im Publikum, verebbt aber schlagartig, als sie sich breitbeinig mit wildem Haar und baumelden Armen wieder erhebt. Schrecklich dürr, mit schaumtriefendem Mund und irrem Blick sucht sie das Publikum ab. Mir schwant Böses.
Irgendwo liegt ein Besen herum. Den greift sie und kommt zielgerichtet auf mich zu. Die Sitzenden springen auf und weichen ihr aus. In Besenlänge-Abstand bleibt sie vor mir stehen. "Du...du...du..." schreit sie immer wieder und bei jedem "Du" sticht sie mir mit aller Kraft die Borsten in den Leib.
Meine Stuhllehne löst sich in Luft auf und ich falle rücklings zwischen die Beine des Hintermannes. Er weicht von mir, als wäre ich ebenso vom Wahnsinn besessen - voller Angst, ich könnte ihn durch eine Berührung mit dem Virus infizieren, der Frau W. dazu veranlasst, so unzulässig lebendig zu sein und Jagd zu machen auf Angehörige und Bekannte.
Kriechen ist zwischen den vielen Beinen unmöglich, also erhebe ich mich, stolpere, falle wieder. Ich laufe Richtung Ausgang, aber da ist keiner mehr. Die Wände werden dünner und gehen in einen Strand über. Doch ich kann nicht hin, haste geradewegs in riesige grüne Fischernetze, bleibe hängen. Frau W. - um einiges wendiger als ich - holt mich ein, drischt auf mir herum, sticht in meine Rippen - diesmal mit der anderen Seite - dem Stiel, spuckt und schleudert mir immer wieder diese gelb-giftigen "Du"s entgegen. Ob sie das geprobt hat?
Irgendwann - nach Stunden - wirft sich ein Mädchen dazwischen, andere folgen ihrem Beispiel. Zu meinen Füßen wälzt sich ein Menschenknäuel. Schreiend und strampelnd wird sie überwältigt und rückwärts hinaus geschleift.......

.....ich erwache in meinem Bett. Draußen ist es schon hell, doch die Bilder kleben an noch an mir, wie Fliegenschiss am Spiegel. Von meinem Tisch lächelt sie mir ihr übliches hohlwangiges Lächeln entgegen. Die "Stille-Gedenkkarte" hat Postkartengröße, in der Mitte gefaltet.
miyelo - 7. Mrz, 13:35

Um Himmels Willen, was hast du denn da zusammengeträumt? Da muss dein Gehirn aber mächtig viel verarbeitet haben. Ich wünsche dir, dass du nächste Nacht einen netteren Traum hast.
LG - Elke

Eskorte fragile - 7. Mrz, 14:12

das ist noch einer der weniger bizarren träume :-) danke für die guten wünsche. ich wünsch mir das selbe.
firewalkermom (anonym) - 7. Mrz, 14:13

uih, na das hört sich ja wirklich grauenhaft an!! Hoffentlich kannst du die Bilder bald wieder loslassen!

Alles Liebe,
Agnes

Eskorte fragile - 7. Mrz, 16:03

es gibt so träume, die vergisst man nie wieder. zu befürchten ist, dasss der dazu gehört!
firewalkermom (anonym) - 7. Mrz, 16:10

loslassen ist nicht gleich vergessen ;)
Vergessen wirst du ihn vielleicht nicht, aber der Traum wird mit Sicherheit mit der Zeit ihren Schrecken verlieren.

Alles Liebe,
Agnes
Eskorte fragile - 7. Mrz, 16:14

AMEN und Hallelujah!
Toby (anonym) - 8. Mrz, 09:00

Mir berichten die Leute auch immer ihre Träume. Du bist sehr Kreativ. Wahrschienilch hat dein Unbewustes mit deinen inneren Welten viel zu tun. Arbietest du in einem kreativen Beruf?

Eskorte fragile - 8. Mrz, 09:14

berichten dir die leute von berufs wegen ihre träume? ja - ich bin kreativ tätig - kann man so sagen.
kopfscheu - 9. Mrz, 00:23

Grausig. Vielleicht träumst du heut' Nacht lieber von meinem Regenwurmelefanten?! :-)

Eskorte fragile - 9. Mrz, 09:51

ja, das wäre doch mal etwas :-) schön rosa soll er sein. ich überlege mir bis dahin, was ich mit einem ausgewachsenen Tier mache.

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