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Folgenschwere Lügen

Waren Sie schon einmal ein Regentropfen an der Scheibe eines fahrenden Zuges? Nein? Das sollten Sie unbedingt ausprobieren! Es ist einfach und gar nicht so verschieden vom Menschsein.
Aus einem ganz und gar unkörperlichen Gaszustand materialisieren Sie sich und fallen den ganzen weiten Weg vom Himmel herunter, ohne um diese Geburt gebeten zu haben – einfach nur, weil das ein Naturgesetz ist. Ein lauer oder kalter Wind bläst Sie hierhin und dorthin - und Sie können gar nichts dagegen tun – und KLATSCH landen Sie sanft oder heftig an einer Scheibe, an der schon viele Andere sitzen und ihr Regentropfen-Dasein fristen.
Ganz langsam zittern Sie nun im Fahrtwind das Glas entlang nach unten – nehmen vielleicht eine vorgeschriebene Spur, die ein Anderer schon geflossen ist – oder ziehen eine Neue – vereinigen sich auf dem Weg abwärts mit Diesem oder Jenem… die Möglichkeiten sind vielfältig und unberechenbar. Den Weg kennt der Wind allein.
Und irgendwann, am Ende dieser Zitterpartie, und nachdem Sie auch den Rumpf des Zuges passiert haben, fallen Sie auf die Erde. Dort ist kein Wind mehr. Dort ist Ruhe bis Sie damit beginnen, naturgemäß zum Ursprung zurück zu sickern, aus dem Sie sich in einem anderen Leben als Gas erhoben haben und der Kreislauf beginnt von Neuem.
Regentropfen sein heißt, geboren werden und sterben und wieder geboren werden usw. Dass dies ein Naturgesetz ist, bezweifelt niemand, an dem die Schulbildung nicht gänzlich spurlos vorbei gegangen ist.
Aber wussten Sie, dass der Klerus im Jahre 553 nach Christus mit nur knapper Mehrheit beschlossen hatte, die Wiedergeburtslehre aus den christlichen Lehren auszuschließen? Leider haben sie keine Idee mitgeliefert, wie sich dann für die Gläubigen die Gerechtigkeit Gottes erklären ließe, so dass sich jeder vernünftig denkende Mensch fragen muss, wo das Leben denn bitte gerecht sein soll. Kann sich jemand vorstellen, wie das Leben heute aussähe, hätte es diesen Beschluss nie gegeben?
CoV (anonym) - 5. Apr, 17:20

Wenn im Regen Regentropfen tropfen …

So plastisch deine Beschreibung des Wassertropfen-Schicksals auch ist, liebe Eve, der Vergleich Wassertropfen- und Mensch-Sein hinkt auf beiden Beinen. Wasser ist Materie und kann als solche nicht verschwinden. Materie lässt sich nur umwandeln in andere Erscheinungsformen, Wasser zum Beispiel in Eis oder Dampf, Masse zuweilen in Energie. Auch die menschlichen Zellen sind Materie (Haut, Knochen, Wasser, …), und somit unfähig, sich in ein NICHTS auflösen, selbst dann nicht, wenn sie beerdigt, verbrannt oder sonst wie „entsorgt“ werden.

Doch zu einem Menschen gehört bekanntlich mehr: Wissen, Erfahrung, Gefühle, Hoffnungen – Geist und Seele eben. Was geschieht damit, wenn das Herz aufgehört hat zu schlagen? Hier scheiden sich die Geister.

Die Existenz von Reinkarnation ist bestimmt nicht davon abhängig, welchen Beschluss Kleriker im Jahre 553 fassten, vielleicht aber der Glaube daran. Ich glaube nicht, dass mein Leben und das der meisten Menschen, die ich kenne, anders verliefe, gäbe es diesen Beschluss nicht. Aber das liegt bestimmt an meiner generellen Ungläubigkeit, woran sonst?

LG - CoV

Eskorte fragile - 5. Apr, 18:12

du hast recht: die geister scheiden sich dahingehend, was mit dem ganzen nichtmateriellen zeug wird, das wir menschen noch so an (in) uns haben.
die frage dahinter, auf die ich im grunde hinaus wollte war die: wenn der leitsatz "wie unten so oben, wie oben so unten" stimmt (und dass er stimmt, hat die wissenschaft ja zumindest bei dem, was sie bisher erreichte, ausreichend bewiesen - man betrachte sich allein die übereinstimmungen von makro- und mikrokosmos) dann drängt sich doch förmlich die frage auf: wieso soll es dem nichtmateriellen zeug anders ergehen, als der materie?
der reinkarnation isses ebenso wurscht, ob wir daran glauben, wie den gesetzen des nicht-sichtbaren. sie ist wie eine blume, die trotzdem duftet, egal ob jemand daran riecht oder nicht. oder wie der sonne, die scheint, egal ob du drin stehst oder nicht.
leugnen lässt sich aber nicht, dass unsere ganz abendländische kultur nun mal auf dem christentum aufbaut, egal ob wir heute an gott glauben oder nicht. noch vor hundert jahren war das ganz anders. und in diesem zusammenhang ist es sehr wohl von bedeutung, was ein häuflein erdenmenschen im jahre 553 beschloss.
es ist von bedeutung, nicht nur, weil sich noch heute allein durch die frage bezüglich gottes gerechtigkeit, viele leute von glaubensdingen abgestoßen fühlen und unverstanden, sondern vor allem, wenn man die geschichte betrachtet und was dieser beschluss alles zur folge hatte, was bis in die heutige zeit hinein reicht.
generationen glaubten eine verfälschte lehre, die kirche wurde machtvoller inquisitor, die gläubigen konnten ihre sünden durch ablass freikaufen und glaubten, so nicht mehr verantwortlich für ihr tun zu sein.
und überhaupt: wäre der reinkarnationsglaube heute noch lebendig und fester bestandteil unserer kultur, wären wir mit sicherheit eigenverantwortlichere menschen, denn wenn du weißt, dass dein handeln oder nichthandeln konsequenzen nach sich zieht - irgendwann - kannst du dich davor nicht drücken, und wenn du den kopf noch so tief in den sand steckst.
dir auch liebe grüße
synonyme - 5. Apr, 23:35

leider sind die menschen noch lange nicht so weit, ohne druck und erhobenem zeigefinger eigenverantwortlich zu handeln...hundert jahre reinkarnationsglaube wären wahrscheinlich nicht ausreichend...die menschen hätten sich bestimmt irgendwelche dubiosen regeln erfunden, um ihrem karma doch noch zu entkommen...das unkontrollierbare tier in uns ist noch zu präsent...
Eskorte fragile - 5. Apr, 23:49

na wer redet denn von hundert jahren? das wären seit 553 .... warte..... 1.453 jahre reinkarnationsglaube und die hätten wohl einiges anders verlaufen lassen.

ich überlege gerade, was du mit "unkontrollierbares tier" meinst. ob man den armen viechern damit nich unrecht tut und ob die wirklich was unkontrollierbares oder wider die natur machen - es sei denn, sie sind bse-verseucht.
synonyme - 6. Apr, 00:00

keine ahnung wie ich auf hundert jahre komme...muß mal in meinem untersten unterbewußtsein nachforschen;-))...kann man allesfressende überlebensgierige einzeller schon zu tieren rechnen??...
Eskorte fragile - 6. Apr, 00:07

naja... irgendwas werden sie ja sein. ich will ja nich philosophisch werden so früh am morgen, aber das kommt wohl drauf an, ob man anderen lebenwesen (außer der "krone der schöpfung") ein bewusstsein unterstellt.

zumindest in der tierwelt macht allesfressen ja sinn, bei menschen sieht das natürlich anders aus, aber da gibts ja auch genuch, die alles fressen.
synonyme - 6. Apr, 00:34

im wörtlichen wie übertragenen sinn!!
Eskorte fragile - 6. Apr, 09:37

jep! aber um unsere bildungslücke da mal zu schließen: Einzeller
so. und jetzt geh ich sie mal besuchen.
luag - 12. Apr, 21:11

Aber wussten Sie, dass der Klerus im Jahre 553 nach Christus mit nur knapper Mehrheit beschlossen hatte, die Wiedergeburtslehre aus den christlichen Lehren auszuschließen?
Dieser Satz hat mich angestochen wie ... ich weiß nicht was ...
Jedenfalls gibt es zu diesem Thema auch im Netz Gegenpositionen, wie zum Beispiel die Skizze der Präexistenztheorie von Origines samt Abgrenzung von Reinkarnationstheorien oder die umfangreicheren Ausführungen hier.
Interessantes Thema - danke für den Hinweis!
Und das mit den Regentropfen am Triebwagen ebenfalls. Wobei ich bei der Kollision spontan an den Menschen selbst dachte ... Aber das hat eher mit meiner depressiven Persönlichkeitsstruktur zu tun.

Eskorte fragile - 13. Apr, 14:42

uff....... das ist lesestoff für die nächsten abende. danke erstmal dafür, ich werd's lesen und mich dann nochmal dazu äußern.
luag - 13. Apr, 18:21

Zwangslektüre :-)
So wars nicht gemeint - ich verschenke aus diesem Grund auch keine Bücher.
Eskorte fragile - 13. Apr, 23:21

ach..... bücher kommen zu einem, die wege sind egal. und meist hat das immer einen grund. steiner selber interessiert mich schon. ich habe reingelesen, aber ich fand ganz ehrlich, der man deutelt da sein zeug rein, der thomas körbel, dass es zum himmel schreit. fällt mir bissl schwer, den ernst zu nehmen.

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