Beichte I - Über das Schönsein
Als ich 15 war, wollte ich unter allen Umständen schön sein. Dieses Wollen zog sich lange hin, zehn Jahre etwa. Das bezog sich nie allein auf eine äußere Schönheit, ich wollte schön und wahr und heil sein, trotz des Umstandes, dass ich nicht eins von dem war.
Als Kind hatte man zu oft über mich gelacht, als dass ich mich dazu hinreißen lassen könnte, zu glauben, ich wäre schön. Man belachte das Fremde an mir, die Form der Augen, die nicht europäisch ist, das Schielen, das schlimmer wurde, je mehr man lachte (dabei sieht es man es heute nur dann, wenn ich müde bin oder die Augen überanstrengt habe). Immer war ich ein "Schlitzauge" und das war nicht erstrebenswert in diesem Alter. Viel habe ich über die Schönheit gelernt, als ich klein war. Unter allen Umständen wollte ich wissen, was Schönheit ist, suchte ich nach ihr, ich wollte wissen, wie man sein muss, um schön zu sein, was man haben muss, um geliebt zu sein, wollte wissen, was das ist, das ich nicht habe. Lange und gründlich betrachtete ich die Menschen. Sie hatten fast alle ein ähnliches Problem wie ich, das merkte ich bald: Es war dieses Nicht-gelebtwerden, das sie quälte. Es gab keine Liebe ohne Bedingungen, nirgendwo gab es die. Und alle alle zweifelten sie an ihrer Liebenswürdigkeit, auch wenn sie noch so schön waren und wenn sie noch so sehr taten, als wäre es anders. Es musste etwas anderes sein, das man haben muss....
Mit 15 fand ich heraus, was es war: Schön ist, wer andere berührt. Das warf zugleich die nächste Frage auf: Was berührt die Menschen?
Einiges probierte ich: Mitleid erregen, Hilfsbereitschaft zeigen, angepasst sein, grundsätzlich eine Kontrastellung einnehmen..... einiges andere noch.
Ich beschäftigte mich viel mit Wirkungen - was wirkt wie - und alle im Umkreis waren meine Versuchsobjekte. Die Wirkungen habe ich bis ins Letzte erprobt, den Schein.
Sie waren mir das Elementare - sehr, sehr lange und weit über die Pubertät hinaus.
Ich begann, mich zu bewegen, als wäre ich schön. Welch eine Überwindung kostete mich das damals, wider jeder Überzeugung diese Bewegung zu machen! Schon damals hatte ich gut verstanden, dass das Äußere nur die Auswirkung eines Inneren ist und machte mir diese Erkenntnis zunutze. Und ich manipulierte sie alle und formte nach meinem Wunsch. Und ich war wahrhaftig ein Zauberer, von dem niemand wusste, wie seine Kaninchen in den Zylinder kamen, der doch eben noch leer war.
Diese Bewegung und Schminke halfen. Seit diesem Tag bin ich nie wieder ohne Schminke auf die Straße gegangen... weitere 15 Jahre nicht.
Auch heute trage ich noch Schminke. Sie ist nicht mehr elementar, aber ich fühle mich noch immer ein wenig nackt ohne sie. Diese Nacktheit, die tut mir heute nicht mehr wirklich etwas und dass ich ohne nach draußen gehe, das gibt es auch. Ich will nicht sagen: inzwischen ist es Gewohnheit - natürlich ist es auch Gewohnheit derweil - doch es ist auch bequemer, als würde man nackt durch die Straßen laufen. Und mit manchen Dingen mache es mir ganz bestimmt bequem.
Die Bewegungen heute, die sind meine... ich weiß nicht mehr, wann ich die Schönheitsbewegung verlor, aber es muss an dem Tag gewesen sein, an dem ich begriff, dass dies alles auch nichts nützt - dass alle Schönheit oder Scheinschönheit nichts nützt, um geliebt zu werden ohne Bedingung. Es muss an dem Tag gewesen sein, als ich es hinnahm, nicht schön zu sein, als ich es endlich akzeptieren konnte und nur noch ich sein wollte.
Ich möchte auch heute noch geliebt sein und wenn möglich auch schön, aber ich habe mich abgefunden, es vielleicht nicht zu sein und es ist bei Weitem nicht mehr elementar, da Schönheit oder das Gegenteil und auch Liebe nicht mehr dazu da sein muss, mich zu identifizieren, zu definieren - nicht mehr beweisen muss, was ich wert bin oder nicht wert bin. Es beantwortet mir keine Fragen mehr nach dem "Wer bin ich?". Diese Antworten liegen ganz woanders.
Als Kind hatte man zu oft über mich gelacht, als dass ich mich dazu hinreißen lassen könnte, zu glauben, ich wäre schön. Man belachte das Fremde an mir, die Form der Augen, die nicht europäisch ist, das Schielen, das schlimmer wurde, je mehr man lachte (dabei sieht es man es heute nur dann, wenn ich müde bin oder die Augen überanstrengt habe). Immer war ich ein "Schlitzauge" und das war nicht erstrebenswert in diesem Alter. Viel habe ich über die Schönheit gelernt, als ich klein war. Unter allen Umständen wollte ich wissen, was Schönheit ist, suchte ich nach ihr, ich wollte wissen, wie man sein muss, um schön zu sein, was man haben muss, um geliebt zu sein, wollte wissen, was das ist, das ich nicht habe. Lange und gründlich betrachtete ich die Menschen. Sie hatten fast alle ein ähnliches Problem wie ich, das merkte ich bald: Es war dieses Nicht-gelebtwerden, das sie quälte. Es gab keine Liebe ohne Bedingungen, nirgendwo gab es die. Und alle alle zweifelten sie an ihrer Liebenswürdigkeit, auch wenn sie noch so schön waren und wenn sie noch so sehr taten, als wäre es anders. Es musste etwas anderes sein, das man haben muss....
Mit 15 fand ich heraus, was es war: Schön ist, wer andere berührt. Das warf zugleich die nächste Frage auf: Was berührt die Menschen?
Einiges probierte ich: Mitleid erregen, Hilfsbereitschaft zeigen, angepasst sein, grundsätzlich eine Kontrastellung einnehmen..... einiges andere noch.
Ich beschäftigte mich viel mit Wirkungen - was wirkt wie - und alle im Umkreis waren meine Versuchsobjekte. Die Wirkungen habe ich bis ins Letzte erprobt, den Schein.
Sie waren mir das Elementare - sehr, sehr lange und weit über die Pubertät hinaus.
Ich begann, mich zu bewegen, als wäre ich schön. Welch eine Überwindung kostete mich das damals, wider jeder Überzeugung diese Bewegung zu machen! Schon damals hatte ich gut verstanden, dass das Äußere nur die Auswirkung eines Inneren ist und machte mir diese Erkenntnis zunutze. Und ich manipulierte sie alle und formte nach meinem Wunsch. Und ich war wahrhaftig ein Zauberer, von dem niemand wusste, wie seine Kaninchen in den Zylinder kamen, der doch eben noch leer war.
Diese Bewegung und Schminke halfen. Seit diesem Tag bin ich nie wieder ohne Schminke auf die Straße gegangen... weitere 15 Jahre nicht.
Auch heute trage ich noch Schminke. Sie ist nicht mehr elementar, aber ich fühle mich noch immer ein wenig nackt ohne sie. Diese Nacktheit, die tut mir heute nicht mehr wirklich etwas und dass ich ohne nach draußen gehe, das gibt es auch. Ich will nicht sagen: inzwischen ist es Gewohnheit - natürlich ist es auch Gewohnheit derweil - doch es ist auch bequemer, als würde man nackt durch die Straßen laufen. Und mit manchen Dingen mache es mir ganz bestimmt bequem.
Die Bewegungen heute, die sind meine... ich weiß nicht mehr, wann ich die Schönheitsbewegung verlor, aber es muss an dem Tag gewesen sein, an dem ich begriff, dass dies alles auch nichts nützt - dass alle Schönheit oder Scheinschönheit nichts nützt, um geliebt zu werden ohne Bedingung. Es muss an dem Tag gewesen sein, als ich es hinnahm, nicht schön zu sein, als ich es endlich akzeptieren konnte und nur noch ich sein wollte.
Ich möchte auch heute noch geliebt sein und wenn möglich auch schön, aber ich habe mich abgefunden, es vielleicht nicht zu sein und es ist bei Weitem nicht mehr elementar, da Schönheit oder das Gegenteil und auch Liebe nicht mehr dazu da sein muss, mich zu identifizieren, zu definieren - nicht mehr beweisen muss, was ich wert bin oder nicht wert bin. Es beantwortet mir keine Fragen mehr nach dem "Wer bin ich?". Diese Antworten liegen ganz woanders.
Eskorte fragile - 17. Sep, 13:37







bravo !!!!!!!
ich fürchte, es folgt eine lawine....