Beichte II - Der Wert der Dinge
Wenn ich als Kind etwas haben wollte, oder mir von meiner Mutter ausborgen wollte - Kleidung z. B., als ich dann älter war - sagte sie immer: "Nein, das ist für dich viel zu schade." Das hat mich jedes Mal sehr verletzt, denn es hatte einen Beigeschmack von: du bist es nicht wert. Auch von: du mir nicht das selbe wert, wie ich mir wert bin, also weniger. Die Zeit kam, wo ich um gar nichts mehr bat.
Heute überlege ich, ob sie nicht Recht damit hatte. Nicht damit, dass ich es nicht wert bin, aber damit, dass Dinge für mich zu schade sind. Ich wertschätze sie nicht, die Dinge. Ein seltsames Verhältnis habe ich zu ihnen, so als gingen sie mich gar nichts an, als gehörten sie gar nicht zu mir. Scheinbar war das schon immer so - schon damals, als ich noch ein Kind war. Oder es kam umgekehrt: dass ich ihr eben irgendwann glaubte, ich wäre es nicht wert. Im Grunde muss man etwas nur oft genug hören...
Heute kann ich mir nicht vorstellen, dass sich die Einstellung meiner Mutter dazu nicht auch in nonverbaler Form geäußert hat, was für mich eine Bekräftigung des Unwertseins gewesen sein muss.
Was Ordnung ist, das hat sie versucht, mir beizubringen, aber es hat nichts genützt. Bis heute bin ich ein so furchtbarer Schlunz, dass es für jeden, der mit mir zusammen lebt, eine Katastrophe und eine Zumutung sein muss. Doch wer will schon Ordnung in Dingen halten, für die man vielleicht gerade noch so wert war?
Irgendwann habe ich wohl die Dinge von mir abgetrennt, um nicht ständig damit konfrontiert zu sein, dass ich sie nicht wert bin. Sie waren einfach nicht für mich. Ich habe kein Empfinden mehr für Eigentum. Das betrifft Gott sei Dank "nur" meins. Mit dem Eigentum anderer gehe ich sehr pfleglich um. Im Gegensatz zu mir, sind sie es schließlich wert.
Überlebenstaktiken eines Kindes sind das, die bis heute überlebt haben.
Es gibt viele tote Dinge in der Wohnung. Schöne, aber tote Dinge, die ich nicht bewohne, die Staub ansetzen, die belegt werden mit irgendwelchem Zeug, das ich nicht fort räume. Ein erwachsener Teil, der wohl zu der Ansicht gekommen sein muss, dass er es doch wert ist, sich mit Schönem zu umgeben, hat sie einst angeschafft.
Doch der Teil, der mir bis gestern ganz und gar verborgen war, der hat mit ihnen rein gar nichts zu tun. Der vergisst sie. Der stellt oder legt Dinge darauf ab, hängt Dinge darüber, die ebenfalls nicht zu mir gehören.
Die Abstände, in denen mir mein Chaos zu viel wird, und ich aufräumen und alles putzen muss, sind sehr unregelmäßig. Wenn es so weit ist, hält mich auch keine Unlust davon ab. Wohl fühle ich mich hinterher schon, aber irgendwie bleibt mir mein eigener Wohnraum samt Inhalt immer fremd. Seltsam, dass mir das noch nie so aufgefallen ist, dass diese Erkenntnis nicht schon früher kam.
Diese ganze Unwert-Geschichte... die zieht ihre Kreise sicher auch noch woanders hin: zur Selbstsabotage, zur Furcht vor Erfolg z. B. und ich frage mich, wie das gehen kann - wie man sich tatsächlich davor fürchten kann, das Gegenteil von dem bewiesen zu bekommen, was man so schmerzvoll lernen musste: dass man es eben doch wert ist. Und wie gern wäre ich es wert!
Aber die Einsicht, dass man es wert ist, die setzt vermutlich voraus, dass man zuerst die hatte, dass es Zeiten gab, in denen das nicht so war. Möglicherweise vermied ich deshalb viele Dinge, von denen ich ganz pauschal sagen könnte: sie wären gut für mich.
Viel Achtsamkeit werde ich brauchen, mir das auszutreiben. Und viel Liebe für mich selbst.
Heute überlege ich, ob sie nicht Recht damit hatte. Nicht damit, dass ich es nicht wert bin, aber damit, dass Dinge für mich zu schade sind. Ich wertschätze sie nicht, die Dinge. Ein seltsames Verhältnis habe ich zu ihnen, so als gingen sie mich gar nichts an, als gehörten sie gar nicht zu mir. Scheinbar war das schon immer so - schon damals, als ich noch ein Kind war. Oder es kam umgekehrt: dass ich ihr eben irgendwann glaubte, ich wäre es nicht wert. Im Grunde muss man etwas nur oft genug hören...
Heute kann ich mir nicht vorstellen, dass sich die Einstellung meiner Mutter dazu nicht auch in nonverbaler Form geäußert hat, was für mich eine Bekräftigung des Unwertseins gewesen sein muss.
Was Ordnung ist, das hat sie versucht, mir beizubringen, aber es hat nichts genützt. Bis heute bin ich ein so furchtbarer Schlunz, dass es für jeden, der mit mir zusammen lebt, eine Katastrophe und eine Zumutung sein muss. Doch wer will schon Ordnung in Dingen halten, für die man vielleicht gerade noch so wert war?
Irgendwann habe ich wohl die Dinge von mir abgetrennt, um nicht ständig damit konfrontiert zu sein, dass ich sie nicht wert bin. Sie waren einfach nicht für mich. Ich habe kein Empfinden mehr für Eigentum. Das betrifft Gott sei Dank "nur" meins. Mit dem Eigentum anderer gehe ich sehr pfleglich um. Im Gegensatz zu mir, sind sie es schließlich wert.
Überlebenstaktiken eines Kindes sind das, die bis heute überlebt haben.
Es gibt viele tote Dinge in der Wohnung. Schöne, aber tote Dinge, die ich nicht bewohne, die Staub ansetzen, die belegt werden mit irgendwelchem Zeug, das ich nicht fort räume. Ein erwachsener Teil, der wohl zu der Ansicht gekommen sein muss, dass er es doch wert ist, sich mit Schönem zu umgeben, hat sie einst angeschafft.
Doch der Teil, der mir bis gestern ganz und gar verborgen war, der hat mit ihnen rein gar nichts zu tun. Der vergisst sie. Der stellt oder legt Dinge darauf ab, hängt Dinge darüber, die ebenfalls nicht zu mir gehören.
Die Abstände, in denen mir mein Chaos zu viel wird, und ich aufräumen und alles putzen muss, sind sehr unregelmäßig. Wenn es so weit ist, hält mich auch keine Unlust davon ab. Wohl fühle ich mich hinterher schon, aber irgendwie bleibt mir mein eigener Wohnraum samt Inhalt immer fremd. Seltsam, dass mir das noch nie so aufgefallen ist, dass diese Erkenntnis nicht schon früher kam.
Diese ganze Unwert-Geschichte... die zieht ihre Kreise sicher auch noch woanders hin: zur Selbstsabotage, zur Furcht vor Erfolg z. B. und ich frage mich, wie das gehen kann - wie man sich tatsächlich davor fürchten kann, das Gegenteil von dem bewiesen zu bekommen, was man so schmerzvoll lernen musste: dass man es eben doch wert ist. Und wie gern wäre ich es wert!
Aber die Einsicht, dass man es wert ist, die setzt vermutlich voraus, dass man zuerst die hatte, dass es Zeiten gab, in denen das nicht so war. Möglicherweise vermied ich deshalb viele Dinge, von denen ich ganz pauschal sagen könnte: sie wären gut für mich.
Viel Achtsamkeit werde ich brauchen, mir das auszutreiben. Und viel Liebe für mich selbst.
Eskorte fragile - 25. Sep, 14:41







auch ich schrieb wohl schon mal, dass mir dinge fremd sind, sie sind fast wie feinde. bei mir sind es eher feinde, als dass ich ihrer nicht wert wäre. auch bei mir gibt es eine einfache vorgeschichte, die etwas anders funktioniert. wenn wir als kinder etwas nicht "pflegten", namentlich war es das fahrrad, das wir aus eigenem antrieb putzen sollten, wozu sich der eigene antrieb absolut nicht einstellte: dann wurde mein vater sehr böse und der stehende spruch war: "du achtest nicht die werte". als strafaktion gab es mindestens ein gemeinsames fahrradputzen mit vater, unter wutausbrüchen, angetrieben wurde dann das zitternde kind, das sich selbst nicht antreiben konnte. lange zeit dachte dann auch ich, er hatte recht: denn dieser antrieb, wie bei dir eve, die dinge sorgsam zu behandeln, der fehlte mir und fehlt mir.
die frage, dass ich diese dinge nicht wert bin, die stellte sich so nicht unbedingt. vielmehr traten sie vor jeder frage außer mich und waren selbst so bedenklich viel mehr wert, als ich abzugelten vermochte.
deswegen verzichte ich heute noch lieber als etwas zu beanspruchen, was übers minimum geht. um dann doch heftige tränen weinen zu können zu zeiten, dass mir so wenig gehört.
alles quatsch. be-dürfen, das thema des tages, was soll wirklich bei uns sein ganz und gar, und was braucht es wirklich nicht.
dass wir es gerade zu abweisen, das gegenteil gezeigt zu bekommen, von dem, was wir erlebten, das ist psychologisch einfach zu erklären. der schmerz war so groß und auf den können wir gut verzichten. suchen ihn zu vermeiden. also lieber gar nichts beanspruchen.
woody allen, der, damit es ihm auf dem schulhof nicht von anderen passiert, gleich die brille selbst abnimmt, um sie zu zertreten. seht ihr, die mühe müsst ihr euch nicht machen, mich zu verletzen. wenigstens das kann ich schon selbst.
erwachsensein als sich selbst verletzen können. autonomie der agression durchs eigene am eigenen.
oder endlich mal aus dem kreislauf ausbrechen und ein anderes inneres land besetzen?
das nehmen wir uns für die nächsten tage vor, liebe eve, und sehen ein jenseits der furcht.
sure!
was dir geschah ist ja irgendwie dasselbe und wenn ich dich richtig verstanden habe, auch das resultat.
in meiner wohnung gibts bestimmt dinge, die ich nicht brauche, aber das ist nicht das problem. es spielt dabei keine rolle, was ich brauche oder nicht brauche (und wirklich BRAUCHEN, tue ich nicht viel). die, die ich brauche, werden keineswegs pfeglicher behandelt. ich gebrauche sie und das wars. lasse sie ebenso liegen, verstauben.
ausbrechen....... ja, ich bin dabei. indem ich es aufschreibe, indem es auch andere wissen, außer mir (die zeugensache), mache ich es mir sehr schwer damit, es wieder zu vergessen. das ist der grund, warum ich es aufschreibe, warum ich überhaupt die ganze "beichtgeschichte" hier begonnen hab.
jenseits der furcht.... vermutlich musst eine weile dort auf mich warten :-)