Du darfst auch singen
(überarbeitete und fortgesetzte Fassung von Teil I)
Die Wahrheit tut weh, sagst du, und drückst deine Zigarette aus. Das nächste Stück der Orange wandert in meinen Mund. Ich lecke mir den Saft von den Fingern und beschließe, dass ich dich nicht höre. Heute nicht. Ich sage dir auch nicht, dass Hoffnung ebenso weh tut. Heute will ich, dass du siehst, mit wie viel Hingabe ich esse. Ich mache es nur für dich. Es ist mein Weihnachtsgeschenk. Der Saft läuft an meinem Kinn herab, tropft mir in den Schoß und bildet ein klebriges Rinnsal auf meinen Schenkeln. Aber du willst mich nicht anschauen. Du willst gehen. Sonst nichts.
Entschlossen erhebst du dich und stößt dabei an den Tisch. Eine Nuss rollt auf dem Teller. Meine Brüste schlagen schwer zurück gegen meinen Bauch, als ich mich vorbeuge, um ihrem Hin und Her ein Ende zu machen. Kannst du mich jetzt ansehen? Jetzt, wo ich dir Grund gebe, Belangloses zu sehen?
Schau dich doch an, sagt dein Blick und ich sehe die Flecken auf dem Tisch, auf dem Teppich und auf mir. Sagtest du gerade Wahrheit tut weh?
Komm, setz dich wieder. Weißt du denn nicht, was ich will? Eine Höhle will ich für dich sein. Eine Höhle ohne Denken am Anfang von allem. Schwarz, dunkel und warm, in der es alles gibt, außer Spiegel. Das wird hart für dich werden, Baby, und du weißt es. Dein Schweiß stinkt nach Angst. Die Schatten werden dich jagen bis du ein Mutiger wirst oder stirbst. Komm, du darfst auch singen, wenn du dich fürchtest.
Schweigend lege ich meine klebenden Handflächen aneinander und sehe dich an. Du beginnst leise zu summen und ich bin sicher, du weißt nicht, weshalb. Eben wolltest du mich noch verlassen, aber jetzt ist es zu spät, nicht wahr? Ich will dich und deshalb lasse ich dich nicht raus und wenn du verreckst.
Ich habe fast Mitleid mit dir, wie du da sitzt. Die Hände in die Sessellehne gekrallt, mit weißen Nägeln und blutleeren Lippen. Deine Augen stehen an der Tür. Sehen sie schon das gelobte Land? Komm, ich zünde dir eine Laterne an, damit du dich nicht verirrst. Es ist besser, du gehst nackt.
Du leckst dir die Lippen und deine Augen sind so trocken, dass sich die Lider schwer an den Augäpfeln reiben. Ich kann es fast hören. Es klingt wie das Geräusch von Fell, wenn eine Hand es streichelt.
Ja Baby, so fühlt man sich, wenn man stirbt. Es ist wie Fallen. Das Zappeln dauert nicht lange, vertrau mir.
Der Wind heult und wirft den Schnee hart gegen das Fenster. Er fliegt fast waagerecht und verdunkelt lautlos das Zimmer. Komm, falle mit mir. Gib mir dein Gesicht, das so unbarmherzig spiegelt. Ich weiß, wer ich bin, aber wohin gehst du, wenn du gehst?
Nackt setze ich mich in deinen Schoß und schiebe dir eine Rosine in den Mund. Ja, behalte den Finger, er gehört dir, so wie ich. Langsam schiebe ich deinen Pullover hoch und mache deinen Bauch klebrig mit der Hand, die du nicht brauchst. Ich will von dir essen.
Eine Hand voll Rosinen hole ich mir und lege eine Spur vom Bauchnabel bis hinunter in deine Scham. Die letzte versenke ich zwischen den rosigen Lippen gleich unter deiner Knospe. Meine rauhe Zunge gleitet feucht von Traube zu Traube. Ich esse dich und wische alles Unechte fort. Dann brauchst du kein Lied mehr für deine Angst. Ich schenke dir eine heilige Nacht, die nach schwerer Erde und reifen Äpfeln duftet und diese letzte, beste Frucht.
Die Wahrheit tut nur einmal weh, Geliebte, so wie deine Verachtung für meine Gier. Es ist nur ein Schritt über die Schwelle der Kontrolle. Einer, der dich fortbringt aus deiner zivilisierten Hülle und dich eins werden lässt mit allem.
Du legst deine Schenkel über die Sessellehnen. Mit schmatzendem Geräusch öffnet sich langsam die Blüte deiner Vulva und bittet mich, von ihrem Tau zu kosten, der mir glitzernd entgegen rinnt. Aber du bist noch kein Jäger. Noch bist du Mensch.
Meine Zunge fliegt nur flüchtig über deine geschwollenen Lippen und lockt dich hinüber zu mir ans andere Ufer. Komm doch. Verliere deine Fassung und verlasse den winzigen Raum, der fast so alt ist wie du. Hier bist du frei und deine Scham wird dich niemals finden.
Krachend öffnet der Sturm ein Fenster im Nebenzimmer. Mit lautem Heulen rüttelt er an Möbeln und Türen, die heiser in ihren Angeln knarren. Weiße Wolken stäuben herein und legen sich leise nieder. Sieh, der Schnee macht es dir vor und auch der Wind.
Doch deine Fesseln halten dich schon nicht mehr. Geschmeidig wie eine Katze gleitest du vom Sessel und umkreist mich auf allen Vieren. Deine Augen sehen Beute. Meine Brustwarzen härten sich unter deinem Blick. Ja, jetzt bist du so weit.
Rühr dich nicht, flüsterst du und ich verspreche, nichts zu bewegen, was nicht von selbst zu dir fließt. Ich erwarte dich auf dem Fußboden. Ein Prickeln auf meiner Haut verrät mir, dass du von hinten näher und näher schleichst. Lautlos hast du deine Kleider abgestreift. Der Sturm schluckt jedes Geräusch.
Wir sind nur noch ein Wesen. Jetzt berühre mich, wenn du willst. Doch jetzt brauchst du es nicht mehr, nicht wahr? Trotzdem, komm nur, Geliebte, komm sing...
09/2004
Die Wahrheit tut weh, sagst du, und drückst deine Zigarette aus. Das nächste Stück der Orange wandert in meinen Mund. Ich lecke mir den Saft von den Fingern und beschließe, dass ich dich nicht höre. Heute nicht. Ich sage dir auch nicht, dass Hoffnung ebenso weh tut. Heute will ich, dass du siehst, mit wie viel Hingabe ich esse. Ich mache es nur für dich. Es ist mein Weihnachtsgeschenk. Der Saft läuft an meinem Kinn herab, tropft mir in den Schoß und bildet ein klebriges Rinnsal auf meinen Schenkeln. Aber du willst mich nicht anschauen. Du willst gehen. Sonst nichts.
Entschlossen erhebst du dich und stößt dabei an den Tisch. Eine Nuss rollt auf dem Teller. Meine Brüste schlagen schwer zurück gegen meinen Bauch, als ich mich vorbeuge, um ihrem Hin und Her ein Ende zu machen. Kannst du mich jetzt ansehen? Jetzt, wo ich dir Grund gebe, Belangloses zu sehen?
Schau dich doch an, sagt dein Blick und ich sehe die Flecken auf dem Tisch, auf dem Teppich und auf mir. Sagtest du gerade Wahrheit tut weh?
Komm, setz dich wieder. Weißt du denn nicht, was ich will? Eine Höhle will ich für dich sein. Eine Höhle ohne Denken am Anfang von allem. Schwarz, dunkel und warm, in der es alles gibt, außer Spiegel. Das wird hart für dich werden, Baby, und du weißt es. Dein Schweiß stinkt nach Angst. Die Schatten werden dich jagen bis du ein Mutiger wirst oder stirbst. Komm, du darfst auch singen, wenn du dich fürchtest.
Schweigend lege ich meine klebenden Handflächen aneinander und sehe dich an. Du beginnst leise zu summen und ich bin sicher, du weißt nicht, weshalb. Eben wolltest du mich noch verlassen, aber jetzt ist es zu spät, nicht wahr? Ich will dich und deshalb lasse ich dich nicht raus und wenn du verreckst.
Ich habe fast Mitleid mit dir, wie du da sitzt. Die Hände in die Sessellehne gekrallt, mit weißen Nägeln und blutleeren Lippen. Deine Augen stehen an der Tür. Sehen sie schon das gelobte Land? Komm, ich zünde dir eine Laterne an, damit du dich nicht verirrst. Es ist besser, du gehst nackt.
Du leckst dir die Lippen und deine Augen sind so trocken, dass sich die Lider schwer an den Augäpfeln reiben. Ich kann es fast hören. Es klingt wie das Geräusch von Fell, wenn eine Hand es streichelt.
Ja Baby, so fühlt man sich, wenn man stirbt. Es ist wie Fallen. Das Zappeln dauert nicht lange, vertrau mir.
Der Wind heult und wirft den Schnee hart gegen das Fenster. Er fliegt fast waagerecht und verdunkelt lautlos das Zimmer. Komm, falle mit mir. Gib mir dein Gesicht, das so unbarmherzig spiegelt. Ich weiß, wer ich bin, aber wohin gehst du, wenn du gehst?
Nackt setze ich mich in deinen Schoß und schiebe dir eine Rosine in den Mund. Ja, behalte den Finger, er gehört dir, so wie ich. Langsam schiebe ich deinen Pullover hoch und mache deinen Bauch klebrig mit der Hand, die du nicht brauchst. Ich will von dir essen.
Eine Hand voll Rosinen hole ich mir und lege eine Spur vom Bauchnabel bis hinunter in deine Scham. Die letzte versenke ich zwischen den rosigen Lippen gleich unter deiner Knospe. Meine rauhe Zunge gleitet feucht von Traube zu Traube. Ich esse dich und wische alles Unechte fort. Dann brauchst du kein Lied mehr für deine Angst. Ich schenke dir eine heilige Nacht, die nach schwerer Erde und reifen Äpfeln duftet und diese letzte, beste Frucht.
Die Wahrheit tut nur einmal weh, Geliebte, so wie deine Verachtung für meine Gier. Es ist nur ein Schritt über die Schwelle der Kontrolle. Einer, der dich fortbringt aus deiner zivilisierten Hülle und dich eins werden lässt mit allem.
Du legst deine Schenkel über die Sessellehnen. Mit schmatzendem Geräusch öffnet sich langsam die Blüte deiner Vulva und bittet mich, von ihrem Tau zu kosten, der mir glitzernd entgegen rinnt. Aber du bist noch kein Jäger. Noch bist du Mensch.
Meine Zunge fliegt nur flüchtig über deine geschwollenen Lippen und lockt dich hinüber zu mir ans andere Ufer. Komm doch. Verliere deine Fassung und verlasse den winzigen Raum, der fast so alt ist wie du. Hier bist du frei und deine Scham wird dich niemals finden.
Krachend öffnet der Sturm ein Fenster im Nebenzimmer. Mit lautem Heulen rüttelt er an Möbeln und Türen, die heiser in ihren Angeln knarren. Weiße Wolken stäuben herein und legen sich leise nieder. Sieh, der Schnee macht es dir vor und auch der Wind.
Doch deine Fesseln halten dich schon nicht mehr. Geschmeidig wie eine Katze gleitest du vom Sessel und umkreist mich auf allen Vieren. Deine Augen sehen Beute. Meine Brustwarzen härten sich unter deinem Blick. Ja, jetzt bist du so weit.
Rühr dich nicht, flüsterst du und ich verspreche, nichts zu bewegen, was nicht von selbst zu dir fließt. Ich erwarte dich auf dem Fußboden. Ein Prickeln auf meiner Haut verrät mir, dass du von hinten näher und näher schleichst. Lautlos hast du deine Kleider abgestreift. Der Sturm schluckt jedes Geräusch.
Wir sind nur noch ein Wesen. Jetzt berühre mich, wenn du willst. Doch jetzt brauchst du es nicht mehr, nicht wahr? Trotzdem, komm nur, Geliebte, komm sing...
09/2004
Eskorte fragile - 5. Mai, 20:05






