Schreibübung 1
Schritt 1: Heute sammle ich Substantive. Egal welche.
Schritt 2: 2 Subtantive zu einer neuen Wortkreation verbinden
Schritt 3: Eine Geschichte dazu schreiben: Zeit max. 1 Stunde
°Schritt 1:
- freies Assoziieren -
der Spiegel, der Tisch, die Hand, der Warnstreifen, das Kümmernis, das Ouija-Brett, die Mückenbrutstätte, das Halsband, das Verlies, der Schwamm, das Ohr, die Flut, die Muschel, der Kamm, der Clown, der Tiger, das Faß, der Boden, der Hals, die Kammer, das Gefängnis, die Lumpen, der Kloß, die Spur, der Schlauch, der Sack, die Hütte, der Frost, der Greif, das Blatt, die Schlucht, der Balken, der Sarg, die Tonne, das Erlebnis, der Schock, die Flucht, die Qualle, der Schmetterling, der Strauch, der Halm, die Wolke, der Götterbote, die Anomalie, das Kraut, die Quelle, der Fuß, das Nass, das Bild, die Lampe, das Auge, der August, der Quark, das Extrem, die Zucht, der Wolf, der Kram, die Uhr, das Fax, der Verbündete, der Blasebalg
Summe 61 - wenn sich daraus keine Geschichte machen lässt, dann aus nichts :-)
Schritt 2
- Zusammensetzung: der Spiegel + das Gefängnis -
- die Prüfung der Begegnung mit den Dingen -
Schritt 3
- die Story -
- das Fallenlassen -
- Beginn 14:23 -
Das Spiegelgefängnis
an einem sommertag - es war kurz vor der abenddämmerung - alle häusertüren standen noch offen, die leute saßen auf den veranden und in den vorgärten - schritt ida leise wie ein dieb auf dem dachboden herum. klein, wie sie war, konnte sie kaum den lichtschalter erreichen, geschweige denn die ausgestopften tiere, die staubbedeckt und moschusdufend von der decke baumelten.
ida war kein hübsches kind und das bekam sie zu spüren - jeden tag. darum verkroch sie sich oft hier oben, zwischen truhen und alten bilderrahmen, brüchigem porzellan, eingewickelt in zeitung aus vorkriegszeiten. der speicher gehörte ihr. ungestört von hohn und spott, durft sie hier, sie selber sein oder was sie sonst sein wollte.
einmal kam der großvater mit einem glas limonade herauf, als sie gerade sterntaler war - tanzend mit den staubkörnchen, die im sonnenlicht wirbelten. still setzte er sich in eine ecke und sah ihr zu. ida merkte davon nichts. sie sang und drehte sich, war die schönste prinzessin auf der welt und fing den sternenstaub in ihrem rock. als sie ihn schließlich bemerkte, blieb sie erschrocken stehen. noch nie hatte ihr jemand dabei zugeschaut, wenn sie jemand anderer war. verlegen starrte sie auf ihr schuhspitzen und fühlte sich, als stände sie nackt in einer menschenmenge.
ernst hielt ihr großvater das limonadenglas in den großen händen und starrte hinein, als dächte er über etwas sehr wichtiges nach.
"ida", sagte er so leise, dass sie ihn kaum verstand, in einem ton, den sie bei den erwachsenen immer nur gehört hatte, wenn es etwas sehr sehr wichtiges zu besprechen gab.
ida blickte auf und sah den großvater an.
"weißt du, als ich jung war, da wollte ich immer ein husarenreiter sein. ich spazierte hier, genauso wie du gerade, mit dem helm meines großvaters auf und ab. ich war stark und mutig und über alle zweifel erhaben - ein held in einer prächtigen uniform auf einem schwarzen pferd."
ida machte große augen. IHR großvater hatte schon hier gespielt?
"großvater", fragte sie schüchtern, "sah es hier oben schon genauso aus damals - so wie heute?"
der großvater sah sich um, legte den kopf in den nacken und schaute die an der decke.
"ja. ja ida.", sagte er so langsam, als würde er sich erst jetzt richtig an alles erinnern können. "das meiste, was du hier siehst, war schon da, als ich ein junge war. die vögel da oben. mein großvater hat sie gejagt und ausstopfen lassen. sie hingen sehr lange in seinem arbeitszimmer von der decke herab und ich fürchtete mich vor ihnen im dunkeln. als er dann starb..."
der großvater verstummte plötzlich.
"was hast du, großvater", fragte ida.
doch der großvater antwortete nicht. statt dessen erhob er sich von der truhe, auf der er gesessen hatte und lief zu einem großen bauernschrank am anderen ende des raumes.
"hier", murmelte er, "hier muss es gewesen sein."
"was großvater? was ist dort gewesen?" doch der großvater hörte sie nicht. ida verstand gar nichts mehr. er jagte ihr angst ein.
vorsichtig, als befände sich ein troll in dem schrank, drehte er den schlüssel im schloss um und öffnete die schwere flügeltür. die angeln quietschen erbärmlich.
ida ging langsam zum schrank hinüber, wo der großvater stand, steif wie eine wachspuppe. als sie in den das dunkel des riesigen schrankungetüms hineinschauen konnte, sah sie ersteinmal gar nichts, so dunkel war es darin.
doch dann sah sie ein dunkelrotes etwas schimmern - ganz hinten in einem leeren fach in höhe ihrer augen.
"was ist das, großvater?"
"ida, bitte nimm das heraus, es ist eine schachtel, ich kann mich nicht mehr so tief bücken", der großvater sprach wie eine maschine, als hätte er etwas grauenvolles gesehen oder als würde er sich an eine katastrophe erinnern.
ida schluckte, doch sie nahm sich zusammen. es sollte keiner behaupten, sie hätte keinen mumm. vorsichtig tastete sie nach der schachtel bis ihre finger auf etwas weiches stießen. als sie es hervor zog, sah sie, dass die schachtel mit rotem samt bezogen war.
"komm", der großvater, nahm sie bei der hand und führte sie wieder zu der truhe, auf der er gesessen hatte. "setzt dich neben mich" er klopfte mit der rechten auf den leeren platz.
Ida kletterte hinauf, die seltsame schachtel keinen moment aus den augen lassend. als sie saß, reichte sie die schachtel dem großvater. sie fühlte sich so kühl an trotz des samtes, als habe sich all die jahre über ein eisklumpen darin gehalten.
"nein ida", sagte der großvater traurig. "du musst sie öffnen, ich darf es nicht mehr. nie mehr wieder. dieses geheimnis ist nur noch für menschen bestimmt, die noch nie der eitelkeit erlegen sind."
ida verstand kein wort, aber sie beschloss, tapfer zu sein. sie holte noch einmal tief luft, hielt den atem an und öffnete das kistchen. doch es war gar keine kiste, stellte sie erstaunt fest. der deckel war so gefaltet, dass sie darunter eine weitere schicht samtüberzogenes holz vorfand - es war wie gerollt. noch sechs mal musste sie das seltsame ding entrollen, doch sie sah noch immer nichts außergewöhnliches. als hätte sich jemand einen scherz erlaubt, gab es nur sieben holzflächen, die alle mit samt überzogen waren.
"wozu ist das gut, großvater?"
"da an der einen ecke ist ein stück stoff lose. du musst daran ziehen."
ida zog. die ecke löste sich mit einem reißenden geräusch. darunter kam ein spiegel zum vorschein. und noch einer und noch einer und noch einer. alle sieben flächen waren an der innenseite mit spiegeln versehen.
"großvater, was macht man mit so vielen spiegeln auf einem haufen?" ida streichelte über das kühle glas und erschauert. irgend etwas stimmte nicht damit, aber sie konnte nicht sagen, was.
"man stellt sie in einem halbkreis vor sich auf", antwortete der großvater. "man kann sie alles fragen, diese spiegel, doch man darf niemals, niemals der eitelkeit verfallen."
"was ist eitelkeit, großvater?"
"eitelkeit ist, wenn du fragen stellst, auf die du eine bestimmte antwort haben willst. wenn es dir nicht völlig gleichgültig ist, was der spiegel dir antwortet, wenn es dir nicht ganz darauf ankommt, nur die wahrheit zu erfahren und nichts als die wahrheit, sondern wenn du statt dessen dinge hören willst, die dir gefallen, dann wird der spiegel dir schaden, ida. doch wenn du hineinschaust, so wie du in einen hellen see schaust, dann wird er dir viele geheimnisse verraten."
ida staunte, von so einem ding hatte sie ja noch nie gehört! sie wollte es gleich ausprobieren, aber sie musste dazu alleine sein. wer weiß, was die spiegel einem erzählen!
doch der großvater nahm sie an der hand. "komm ida, es wird schon dunkel, es ist nicht gut, wenn du im dunkeln noch hier bist."
widerstrebend ging sie mit ihm, doch nachts fand sie keine ruhe. sie musste ständig an die antwort-spiegel denken.
also stand sie auf und schlicht aus dem bett. auf zehenspitzen tappte sie barfuß zum speicher hinauf und machte das licht an. gruselig war es hier oben in der nacht und kalt.
doch ida spürte von der kälte nichts. in ihr kämpften neugier und angst, doch die neugier siegte.
leise nahm sie die spiegel von der truhe, faltete sie auseinander und zog an der losen ecke. sofort begannen die spiegel in einem pulsierenden licht zu erstrahlen. ida stellte sie, wie der großvater gesagt hatte, im halbkreis vor sich auf dem boden auf und legte sich auf den bauch, um hineinzublicken.
"spiegel, hörst du mich?", flüsterte sie.
der spiegel verstärkte sein leuchten.
"wenn du mich hörst, dann zeig mir, wie ich aussehen werde, wenn ich einmal groß bin"
der spiegel leuchtete immer strahlender, so dass ida die augen zusammenkneifen musste. der ganze speicher glänzte in einem weißen licht und es nahm immer noch zu.
doch dann wurde es urplötzlich dunkel. ida riss die augen auf, aber sie konnte nichts sehen. tastend robbte sie zum schalter an der tür und drehte das licht an.
verwundert sah sie sich um - es wirkte alles viel kleiner, als noch vor einigen sekunden. sie tappte wieder in den raum. das konnte nicht sein! sie stieß mit dem kopf an die vögel, die von der decke hingen! als sie am alten bauerschrank vorbei kam, der in der mitte ein großes, rundes spiegeloval hatte, schrie sie auf.
da stand kein kleines mädchen mehr, da stand eine alte frau!
von den schreien geweckt, stürzte der großvater hinauf. doch als er ida sah, schlug er die hände vor dem gesicht zusammen.
"ida! reicht es denn nicht, wenn EINER aus der familie verflucht ist?"
ida starrte fassungslos zu ihrem großvater hinüber.
"...aber großvater!"
"ich bin nicht dein großater, ida", sagte der alte mann traurig, "ich bin dein bruder jakob!"
ENDE
Zeit: 15:26
1.433 Wörter
eine geschichte ohne nachzudenken, ohne zu zensieren, rausgeflossen, einfach so. ist sie gut? wen interessiert es heute?
aufgabenstellung für morgen:
überarbeiten der geschichte, bis es eine gute ist!
Schritt 2: 2 Subtantive zu einer neuen Wortkreation verbinden
Schritt 3: Eine Geschichte dazu schreiben: Zeit max. 1 Stunde
°Schritt 1:
- freies Assoziieren -
der Spiegel, der Tisch, die Hand, der Warnstreifen, das Kümmernis, das Ouija-Brett, die Mückenbrutstätte, das Halsband, das Verlies, der Schwamm, das Ohr, die Flut, die Muschel, der Kamm, der Clown, der Tiger, das Faß, der Boden, der Hals, die Kammer, das Gefängnis, die Lumpen, der Kloß, die Spur, der Schlauch, der Sack, die Hütte, der Frost, der Greif, das Blatt, die Schlucht, der Balken, der Sarg, die Tonne, das Erlebnis, der Schock, die Flucht, die Qualle, der Schmetterling, der Strauch, der Halm, die Wolke, der Götterbote, die Anomalie, das Kraut, die Quelle, der Fuß, das Nass, das Bild, die Lampe, das Auge, der August, der Quark, das Extrem, die Zucht, der Wolf, der Kram, die Uhr, das Fax, der Verbündete, der Blasebalg
Summe 61 - wenn sich daraus keine Geschichte machen lässt, dann aus nichts :-)
Schritt 2
- Zusammensetzung: der Spiegel + das Gefängnis -
- die Prüfung der Begegnung mit den Dingen -
Schritt 3
- die Story -
- das Fallenlassen -
- Beginn 14:23 -
Das Spiegelgefängnis
an einem sommertag - es war kurz vor der abenddämmerung - alle häusertüren standen noch offen, die leute saßen auf den veranden und in den vorgärten - schritt ida leise wie ein dieb auf dem dachboden herum. klein, wie sie war, konnte sie kaum den lichtschalter erreichen, geschweige denn die ausgestopften tiere, die staubbedeckt und moschusdufend von der decke baumelten.
ida war kein hübsches kind und das bekam sie zu spüren - jeden tag. darum verkroch sie sich oft hier oben, zwischen truhen und alten bilderrahmen, brüchigem porzellan, eingewickelt in zeitung aus vorkriegszeiten. der speicher gehörte ihr. ungestört von hohn und spott, durft sie hier, sie selber sein oder was sie sonst sein wollte.
einmal kam der großvater mit einem glas limonade herauf, als sie gerade sterntaler war - tanzend mit den staubkörnchen, die im sonnenlicht wirbelten. still setzte er sich in eine ecke und sah ihr zu. ida merkte davon nichts. sie sang und drehte sich, war die schönste prinzessin auf der welt und fing den sternenstaub in ihrem rock. als sie ihn schließlich bemerkte, blieb sie erschrocken stehen. noch nie hatte ihr jemand dabei zugeschaut, wenn sie jemand anderer war. verlegen starrte sie auf ihr schuhspitzen und fühlte sich, als stände sie nackt in einer menschenmenge.
ernst hielt ihr großvater das limonadenglas in den großen händen und starrte hinein, als dächte er über etwas sehr wichtiges nach.
"ida", sagte er so leise, dass sie ihn kaum verstand, in einem ton, den sie bei den erwachsenen immer nur gehört hatte, wenn es etwas sehr sehr wichtiges zu besprechen gab.
ida blickte auf und sah den großvater an.
"weißt du, als ich jung war, da wollte ich immer ein husarenreiter sein. ich spazierte hier, genauso wie du gerade, mit dem helm meines großvaters auf und ab. ich war stark und mutig und über alle zweifel erhaben - ein held in einer prächtigen uniform auf einem schwarzen pferd."
ida machte große augen. IHR großvater hatte schon hier gespielt?
"großvater", fragte sie schüchtern, "sah es hier oben schon genauso aus damals - so wie heute?"
der großvater sah sich um, legte den kopf in den nacken und schaute die an der decke.
"ja. ja ida.", sagte er so langsam, als würde er sich erst jetzt richtig an alles erinnern können. "das meiste, was du hier siehst, war schon da, als ich ein junge war. die vögel da oben. mein großvater hat sie gejagt und ausstopfen lassen. sie hingen sehr lange in seinem arbeitszimmer von der decke herab und ich fürchtete mich vor ihnen im dunkeln. als er dann starb..."
der großvater verstummte plötzlich.
"was hast du, großvater", fragte ida.
doch der großvater antwortete nicht. statt dessen erhob er sich von der truhe, auf der er gesessen hatte und lief zu einem großen bauernschrank am anderen ende des raumes.
"hier", murmelte er, "hier muss es gewesen sein."
"was großvater? was ist dort gewesen?" doch der großvater hörte sie nicht. ida verstand gar nichts mehr. er jagte ihr angst ein.
vorsichtig, als befände sich ein troll in dem schrank, drehte er den schlüssel im schloss um und öffnete die schwere flügeltür. die angeln quietschen erbärmlich.
ida ging langsam zum schrank hinüber, wo der großvater stand, steif wie eine wachspuppe. als sie in den das dunkel des riesigen schrankungetüms hineinschauen konnte, sah sie ersteinmal gar nichts, so dunkel war es darin.
doch dann sah sie ein dunkelrotes etwas schimmern - ganz hinten in einem leeren fach in höhe ihrer augen.
"was ist das, großvater?"
"ida, bitte nimm das heraus, es ist eine schachtel, ich kann mich nicht mehr so tief bücken", der großvater sprach wie eine maschine, als hätte er etwas grauenvolles gesehen oder als würde er sich an eine katastrophe erinnern.
ida schluckte, doch sie nahm sich zusammen. es sollte keiner behaupten, sie hätte keinen mumm. vorsichtig tastete sie nach der schachtel bis ihre finger auf etwas weiches stießen. als sie es hervor zog, sah sie, dass die schachtel mit rotem samt bezogen war.
"komm", der großvater, nahm sie bei der hand und führte sie wieder zu der truhe, auf der er gesessen hatte. "setzt dich neben mich" er klopfte mit der rechten auf den leeren platz.
Ida kletterte hinauf, die seltsame schachtel keinen moment aus den augen lassend. als sie saß, reichte sie die schachtel dem großvater. sie fühlte sich so kühl an trotz des samtes, als habe sich all die jahre über ein eisklumpen darin gehalten.
"nein ida", sagte der großvater traurig. "du musst sie öffnen, ich darf es nicht mehr. nie mehr wieder. dieses geheimnis ist nur noch für menschen bestimmt, die noch nie der eitelkeit erlegen sind."
ida verstand kein wort, aber sie beschloss, tapfer zu sein. sie holte noch einmal tief luft, hielt den atem an und öffnete das kistchen. doch es war gar keine kiste, stellte sie erstaunt fest. der deckel war so gefaltet, dass sie darunter eine weitere schicht samtüberzogenes holz vorfand - es war wie gerollt. noch sechs mal musste sie das seltsame ding entrollen, doch sie sah noch immer nichts außergewöhnliches. als hätte sich jemand einen scherz erlaubt, gab es nur sieben holzflächen, die alle mit samt überzogen waren.
"wozu ist das gut, großvater?"
"da an der einen ecke ist ein stück stoff lose. du musst daran ziehen."
ida zog. die ecke löste sich mit einem reißenden geräusch. darunter kam ein spiegel zum vorschein. und noch einer und noch einer und noch einer. alle sieben flächen waren an der innenseite mit spiegeln versehen.
"großvater, was macht man mit so vielen spiegeln auf einem haufen?" ida streichelte über das kühle glas und erschauert. irgend etwas stimmte nicht damit, aber sie konnte nicht sagen, was.
"man stellt sie in einem halbkreis vor sich auf", antwortete der großvater. "man kann sie alles fragen, diese spiegel, doch man darf niemals, niemals der eitelkeit verfallen."
"was ist eitelkeit, großvater?"
"eitelkeit ist, wenn du fragen stellst, auf die du eine bestimmte antwort haben willst. wenn es dir nicht völlig gleichgültig ist, was der spiegel dir antwortet, wenn es dir nicht ganz darauf ankommt, nur die wahrheit zu erfahren und nichts als die wahrheit, sondern wenn du statt dessen dinge hören willst, die dir gefallen, dann wird der spiegel dir schaden, ida. doch wenn du hineinschaust, so wie du in einen hellen see schaust, dann wird er dir viele geheimnisse verraten."
ida staunte, von so einem ding hatte sie ja noch nie gehört! sie wollte es gleich ausprobieren, aber sie musste dazu alleine sein. wer weiß, was die spiegel einem erzählen!
doch der großvater nahm sie an der hand. "komm ida, es wird schon dunkel, es ist nicht gut, wenn du im dunkeln noch hier bist."
widerstrebend ging sie mit ihm, doch nachts fand sie keine ruhe. sie musste ständig an die antwort-spiegel denken.
also stand sie auf und schlicht aus dem bett. auf zehenspitzen tappte sie barfuß zum speicher hinauf und machte das licht an. gruselig war es hier oben in der nacht und kalt.
doch ida spürte von der kälte nichts. in ihr kämpften neugier und angst, doch die neugier siegte.
leise nahm sie die spiegel von der truhe, faltete sie auseinander und zog an der losen ecke. sofort begannen die spiegel in einem pulsierenden licht zu erstrahlen. ida stellte sie, wie der großvater gesagt hatte, im halbkreis vor sich auf dem boden auf und legte sich auf den bauch, um hineinzublicken.
"spiegel, hörst du mich?", flüsterte sie.
der spiegel verstärkte sein leuchten.
"wenn du mich hörst, dann zeig mir, wie ich aussehen werde, wenn ich einmal groß bin"
der spiegel leuchtete immer strahlender, so dass ida die augen zusammenkneifen musste. der ganze speicher glänzte in einem weißen licht und es nahm immer noch zu.
doch dann wurde es urplötzlich dunkel. ida riss die augen auf, aber sie konnte nichts sehen. tastend robbte sie zum schalter an der tür und drehte das licht an.
verwundert sah sie sich um - es wirkte alles viel kleiner, als noch vor einigen sekunden. sie tappte wieder in den raum. das konnte nicht sein! sie stieß mit dem kopf an die vögel, die von der decke hingen! als sie am alten bauerschrank vorbei kam, der in der mitte ein großes, rundes spiegeloval hatte, schrie sie auf.
da stand kein kleines mädchen mehr, da stand eine alte frau!
von den schreien geweckt, stürzte der großvater hinauf. doch als er ida sah, schlug er die hände vor dem gesicht zusammen.
"ida! reicht es denn nicht, wenn EINER aus der familie verflucht ist?"
ida starrte fassungslos zu ihrem großvater hinüber.
"...aber großvater!"
"ich bin nicht dein großater, ida", sagte der alte mann traurig, "ich bin dein bruder jakob!"
ENDE
Zeit: 15:26
1.433 Wörter
eine geschichte ohne nachzudenken, ohne zu zensieren, rausgeflossen, einfach so. ist sie gut? wen interessiert es heute?
aufgabenstellung für morgen:
überarbeiten der geschichte, bis es eine gute ist!
Eskorte fragile - 13. Mai, 15:39






