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Mathematik der Ekstase

Da Schmutz ja bekanntlich immer anderswo ist, als wir, ist es nicht erstaunlich, dass wir bestimmte Themen, die wir als "schmutzig" klassifiziert haben, tabuisieren. Dazu gehört noch immer bevorzugt alles, was mit Körperlichkeit zu tun hat. Die Sexualität gehörte vor nicht allzu vielen Jahrzehnten ebenfalls noch dazu. Auch wenn wir das Sex-Tabu aus der Schmuddel-Versenkung auf beinahe exzessive Weise in den Siebzigern befreiten, schlagen wir uns bis heute noch mit der Heftigkeit von Präventivschlägen im Rahmen einer militärischen Intervention mit unseren Minderwertigkeiten herum. Nach dem Motto: "Angriff ist immer noch die beste Verteidigung" faseln und fabulieren wir über alles Mögliche und Unmögliche, bekommen Tips und Anleitungen, die die Welt

nicht braucht, bzw. mit denen sich schon unsere Großmütter und -Väter in der Praxis verlustiert haben - heimlich versteht sich. Es gibt Statistiken über Häufigkeit, Schwanzlänge und -durchmesser, Ort und bevorzugte Stellungen etc., die uns Aufschluss darüber geben sollen, ob wir der "Norm" angehören oder nicht. doch Sexualität und Nacktheit gehört noch immer zu den verletzbarsten Themen, die uns Menschen bewegt.

Aus Unsicherheit heraus blasen wir alles, was dieses Thema angeht auf die gleiche Weise künstlich auf, wie ein besonders komplexbehafteter Mensch seine Unsicherheit mit Arroganz kaschiert - und das gesellschaftsübergreifend. Wirklich über die eigenen Bedürfnisse, Wünsche oder Nöte zu sprechen, wagen allerdings statistisch bei weitem nicht einmal die Hälfte der Deutschen.
Und tatsächlich gibt es auch Menschen, die überhaupt keinen Sex wollen. Keinen Sex zu wollen gilt in unserer sexuell überbewerteten Gesellschaft als "unnormal". Asexuelle Menschen haben überhaupt keinen Geschlechtstrieb. So sagten von 18.000 der befragten Briten ca. 1 % von sich selbst, dass sie sich noch nie von einem anderen Menschen sexuell angezogen gefühlt hätten.
Nachdem Homosexualität für die Meisten kein Problem mehr darstellt und als gesellschaftlich akzeptabel angesehen wird, ja es sogar modern war, wenigstens vorübergehend bi zu sein, sorgen wenigstens noch die Asexuellen dafür, dass die Tabus nicht so bald aussterben. Hallelujah!

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luag.twoday.net - 27. Mai, 12:01

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