Essay-Wettbewerb "Freiheit...."
Beitrag zum Essay-Wettbewerbung der Stadt Weimar zum
S c h i l l e r j a h r 2005
Die Freiheit - als eine schöne Kunst betrachtet
In einer Zeit, in der die Werte so wandel- und dehnbar geworden sind, wie in kaum einer anderen Epoche und einer Welt, in der der von Hunger und Kriegen bedrohte Teil der Bevölkerung beinahe täglich wächst, hängt die Definition des Begriffes „Freiheit“ und seine Bedeutung mehr denn je davon ab, auf welchem Kontinent und in welchem sozialen Umfeld wir aufwachsen und leben. Dem politisch Verfolgten, dem in seiner Menschenwürde Verletzten, dem Inhaftierten wird die Freiheit eine Notwendigkeit oder sogar eine Überlebenschance bedeuten, wo hingegen sie dem mitteleuropäischen Angestellten nur im besten Falle eine Kunst ist.
Der Freiheitsbegriff wird ihm vom Standpunkt seiner wirtschaftlichen und sozialen Privilegien aus gesehen auf den ersten Blick vielleicht sogar ein wenig antiquiert erscheinen. Wie wenig verstaubt er jedoch auch hierzulande in Wirklichkeit ist, zeigen uns vor allem die jüngeren Generationen, die sich mit Lehrstellenmangel, Perspektivlosigkeit und Sinnfragen auseinander setzen müssen und die Situation in den Schulen und Familien.
Die Kunst, von ihren Anfängen in Arbeit, Religion und Ritual abgespalten, gedeiht nur auf sattem Boden gut und obwohl wir alle im Laufe unseres eigenen Individuationsprozesses der Frage, was Freiheit uns bedeutet, begegnen, ist sie mit all ihren unbequemen Erkenntnissen und Konsequenzen kaum ein Alltagsgegenstand geworden.
Bei der Beantwortung der Frage, inwieweit die Kunst eine Wahlverwandtschaft mit der Freiheit eingehen kann, bleiben wir unweigerlich an der Definition des Begriffes an sich hängen. Was also heißt Freiheit überhaupt und inwieweit ist sie für den Einzelnen bzw. innerhalb einer Gesellschaft zu verwirklichen?
Wie wenig der Freiheitsbegriff trotz aller Aktualität zu einem Allgemeingut geworden ist oder überhaupt in bewusste Überlegungen eingeht, geschweige denn im Zusammenhang mit Begriffen wie Moral und Ethik steht, zeigen Teilantworten wie „Freiheit ist die Fähigkeit, selbständig Entscheidungen zu treffen“, „Demokratie“ oder sogar „Freiheit bedeutet, zu tun, was man will“ und „keine Verpflichtungen zu haben“. Sicher können das alles Teilaspekte, Voraussetzungen und Merkmale der Freiheit sein, doch was ist eine Freiheit, die sich von der Verantwortung für sich selbst und andere ablöst und für die Verantwortung und Disziplin gleichbedeutend sind mit Unterdrückung und Unfreiheit?
Eine so verstandene Freiheit führt den Einzelnen in eine Existenz, die sich ausschließlich an der eigenen Bedürfnisbefriedigung orientiert und diese - seine Maxime – auf Kosten von Sozialisation und einer wirklichen Individuation zum Götzen erhebt.
Der moderne Begriff von Freiheit impliziert bereits einen Gewaltmoment. Beispiele aus der Geschichte belegen nicht nur, dass das Hinwegsetzen über Freiheit und Menschenwürde zu Despotismus und Tyrannei führt, sondern auch, dass sich alle noch so liberalen Freiheitsideale auf dem Pulverfass einer Insurrektion radikalisieren und mit der gleichen Art von Machtausübung agieren, wie die zuvor bekämpften Tyrannen.
Diese Erkenntnis ist so wenig neu wie die Erfindung des Rades, denn bereits in den Hermetischen Prinzipien finden wir im Lehrsatz über das Gesetz des Rhythmus: „Alles fließt aus und ein, alles hat seine Gezeiten, alle Dinge steigen und fallen, das Schwingen des Pendels zeigt sich in allem; das Maß des Schwunges nach rechts ist das Maß des Schwunges nach links; Rhythmus kompensiert.“ [Hermetische Lehrsätze, 7. Prinzip]
Bezogen auf das Thema Freiheit bedeutet dies also, dass der Drang danach in ebenso starkem Maße besteht, in dem wir in Unfreiheit leben, bzw. auf der Handlungsebene: Die Gewalt einer Insurrektion im Namen der Freiheit ist ebenso groß, wie die der voran gegangenen Tyrannei, denn Rhythmus kompensiert immer ein Übermaß zum einen oder zum anderen Pol hin. Das heißt also, dass beide Pole (Freiheit und Unfreiheit) auf der Ebene des Erlebens sehr dicht beieinander liegen und einer Gesetzmäßigkeit folgen.
Nietzsche formulierte es so: „Wonach misst sich die Freiheit, bei Einzelnen, wie bei Völkern? Nach dem Widerstand, der überwunden werden muss, nach der Mühe, die es kostet, oben zu bleiben. Den höchsten Typus freier Menschen hätte man dort zu suchen, wo beständig der höchste Widerstand überwunden wird...“
Die Kunst besteht jedoch nicht darin, auf das Pendel zu steigen und die Kraft des schon begonnenen Rückschwunges zu nutzen. Um zu erfahren, inwieweit Freiheit als eine Kunst betrachtet werden kann, müssen wir uns nicht nur wieder dem Einzelnen zuwenden, da ein Staat ebenso aus Einzelwesen und deren Interessen besteht, sondern uns auch die Frage stellen, inwieweit Freiheit und humanistische Emanzipation als Individuum zu verwirklichen sind und ob das Kollektiv oder die Gesellschaft, deren Interessen sich mitunter erheblich von denen des Individuums unterscheiden, dabei förderlich oder eher hinderlich ist.
Was bedeutet Freiheit für den Einzelnen? In der zunehmenden Vertechnisierung und Verwissenschaftlichung der Gesellschaft und dem damit einher gehenden Verlust von sozialen Kontakten, Gemeinschaft, Ritual und Religion im Sinne von Religio = Urbindung, wird er dazu ebenso wenig Orientierungspunkte außerhalb von sich selbst finden, wie geistig-humanistische Ideale.
Die Voraussetzung für eine individuelle Definition kann somit vorerst nur in einer erhöhten Aufmerksamkeit liegen und in der Reflexion seiner Lebensumstände, die ihn in seinem Wollen und Wachsen fördern bzw. beschränken (zwei Pole). Genau an diesem Punkt legt er den Grundstein der Kunst.
Die objektive Betrachtung der eigenen Interessen, Chancen und Hindernisse sowie das nötige Interesse an der individuellen Evolution und der Akzeptanz der damit einher gehenden Unbequemlichkeit, setzt bereits einen gewissen Grad an humanistischer Reife voraus und bildet die Basis für alle weiteren Überlegungen. Ist er an diesem Punkt angelangt, so ist er vergleichbar mit dem Entfesselten aus Platons Höhlengleichnis und befindet sich bereits auf dem Weg in den „denkbaren Raum“, in dem er mehr oder weniger schmerzhaft erkennen muss, dass alles das, was er bisher zu wissen glaubte, einem Nichtwissen gleich kommt.
Er wird traditionelle Werte und Überlieferungen und deren Wertigkeit für sich selbst in Frage stellen und wird – wenn überhaupt – nur über den Weg der Kompensation wieder zu einer friedlichen Vereinigung mit ihnen gelangen. Auf diesem Weg aber wird er nicht nur Manipulationsmuster von außen erkennen und bekämpfen, sondern im fortgeschrittenen Stadium auch Selbst-Sabotageakte, Vermeidungshaltungen und selbstschädigende Verhaltensmuster aufdecken, die der ausschließlichen Bedürfnisbefriedigung angehören, was insgesamt zu einer Transzendenz dieser Bedürfnisse und der Relationen führt, in der sie gelebt werden, sowie zu der Erkenntnis, dass Freiheit, im Sinne von Autonomie und Individualisation, eines Rahmens, einer Gesetzgebung bedarf, die sich durch Sittlichkeit und Ethik definiert.
Er wird erkennen, dass der moderne Freiheitsbegriff nichts gemeinsam hat mit Verantwortung und Ethik und dass im Gegensatz dazu Verantwortung für sich selbst und andere nicht im Widerspruch zur Freiheit steht.
Auf diese Weise wird er den Schritt vom „Herdentier“ zum Individuum vollziehen und in der Lage sein, weitgehend unabhängig von Projektion und Manipulation durch Schuld und das gezielte Bedienen seiner Sehnsüchte, zu leben. Doch gerade die Bedürfnisse und Sehnsüchte werden nicht länger unbewusst nach Befriedigung in ihm verlangen – im Gegenteil: sein Status als Individuum wird ihm bewusster sein, als jemals zuvor und er wird mehr denn je erfahren, was Rainer Maria Rilke meinte, als er schrieb, dass wir alle „unaussprechlich allein sind“. Er wird sich selbst zuliebe den Mittelweg wählen zwischen Fanatismus und Bequemlichkeit, zwischen Vernunft und Instinkt und zwischen Festhalten und Loslassen und seine Entscheidungen und Handlungsweisen immer aufgrund eigener Überlegungen und unter Berücksichtigung von Ursache und Wirkung für das Ganze überprüfen.
Was aber fängt ein Kollektiv oder eine Gesellschaft mit einem freien Individuum an, bei dem die üblichen Manipulationen zu einem Großteil nicht mehr greifen, dem man weder mit Vereinzelung und Ausschluss aus der Gemeinschaft drohen, noch mit einer echten oder vorgetäuschten Bedürfnissbefriedigung ködern kann, weil es sich bereits selbst bis zu einem gewissen Grad ausgeschlossen und ein Bewusstsein über seine wirklichen Bedürfnisse erlangt hat bzw. auch Wege gefunden hat, diese zu befriedigen? Das Individuum braucht ja die Gemeinschaft und soziale Kontakte trotzdem, auch wenn das Ausmaß der Abhängigkeit ein anderes, unmittelbareres geworden ist. Es interagiert ja trotzdem mit der Umwelt und dem „Du“ und es braucht seinen ganzen Mut, eine gesunde Prise Idealismus und seine Entschlossenheit, auch inmitten von „Herdentieren“ ein Individuum zu bleiben und seine Freiheit zu bewahren.
Es liegt nahe, dass ein Staat oder eine Gemeinschaft aus machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen, wenig Engagement und Mittel daran verschwendet, seinen Angehörigen und Mitgliedern diese Freiheit in die Wiege zu legen und sie zu autonomen Individuen zu erziehen. Bestenfalls wird sich der Einzelne weder behindert, noch gefördert finden. Ein Staat bzw. eine Gemeinschaft wird seiner Aufgabe, Mittel zur Weiterentwicklung der Menschheit zu sein, nur dann gerecht werden, wenn er seine „Elternrolle“ mit Verantwortungsbewusstsein trägt, denn so wichtig die Beschneidung eines Individuums von außen für seine Entwicklung sein kann, so bedeutungsvoll ist doch ebenso eine Erziehung und Bildung zu Humanität und Individuation.
Die Idee, Freiheit und damit alle Vor- und Nachteile, die sie mit sich bringt, eingeschlossen, als eine Kunst zu betrachten, findet also ihre Realisierung für den Einzelnen zu allererst darin, gleichzeitig ein Individuum und ein gesellschaftsfähiges Wesen zu werden und zu bleiben.
Doch selbst nach vollzogenem Ausgleich zwischen Autonomie und Sozialisation befindet sich das Individuum noch immer zwischen zwei Polen, die es mit permanenter Aufmerksamkeit auszugleichen gilt, so dass wir uns fragen müssen, ob Freiheit und die Kunst, sie zu leben, darin besteht, die Wahl zu haben (und es zu wissen) und ob es genügt, zwischen Aufmerksamkeit und Bequemlichkeit zu wählen und das Ausgewählte konsequent umzusetzen.
Nach vollzogenem Ausgleich hat das Individuum die permanente Aufmerksamkeit gewählt, deren Gegenteil die Unaufmerksamkeit ist, die in unserem Beispiel mit einem Zurückfallen in die „Herde“ gleichzusetzen wäre. Eine bewusste Wahl und eine daraus folgende konsequente Umsetzung, ist hier dauerhaft unmöglich, denn das Pendel des Rhythmus verweilt niemals an einem von beiden Polen. Wählt man den einen, wählt man damit gleichzeitig auch den anderen, denn sie sind untrennbar miteinander verbunden. Niemand kann also permanent aufmerksam sein. Das Problem der Polarität findet sich auf allen Ebenen und in allen Bereichen des Daseins wieder, so dass wir – mit dem Wissen um das Gesetz des Rhythmus – immer und unabhängig von unserer bewussten Wahl zwischen zwei Extremen und in den dazwischen liegenden Schattierungen leben.
Wenn wir also Kunst als einen Begriff definieren, welcher etymologisch aus dem mittelhochdeutschen Können abgeleitet ist, und das Können als eine Gabe oder Fähigkeit, deren Besitzer ein Könner oder ein Meister auf seinem Gebiet ist, kommen wir auch ohne den Hang zum Mystizismus zu der Frage, worin die Meisterschaft im Dasein innerhalb der Polarität besteht.
Eine Antwort darauf finden wir in der buddhistischen Philosophie. Das Ziel eines Buddhisten ist es, sich durch die Entwicklung von Ethik und Weisheit vom Rad des Leidens und der Wiedergeburt zu befreien, den erleuchteten Zustand des Nirwana und damit die Meisterschaft über das Dasein innerhalb der Polaritäten zu erlangen. Dieser Anschauung zufolge entsteht das Leiden durch das Begehren und das Anhaften an weltlichen Dingen, Ideen und Vorstellungen und der damit verbundenen Illusion des „Ich“. Der Wandel, der sich nur innerhalb der Polaritäten vollziehen kann, und das Begehren fügen dem „Ich“ Schmerzen zu, denn naturgemäß begehren wir die Freude, das Glück, den Reichtum, die Gesundheit, den Frieden, die Liebe usw., was alles nur eine Seite der Medaillie, einen Pol widerspiegelt. Schmerzen erleiden wir bei dem Auftreten eines Mangels daran, so dass es immer die selben Dinge sind, die uns erfreuen und glücklich machen, wie die, die uns traurig und unglücklich machen. Dem zufolge gibt es nur außerhalb des Wandels einen unbeweglichen Punkt, an dem weder Leiden noch Begehren existieren: das Nirwana.
Eine Freiheit innerhalb der Polarität ist also nur eingeschränkt zu verwirklichen und immer mit der Gefahr einer erneuten Unfreiheit verbunden, gleichgültig ob es sich dabei um ein Individuum oder einen Staat bzw. eine Gemeinschaft handelt.
Bemühen wir zusätzlich noch das hermetische Prinzip der Entsprechung: „Wie oben - so unten, wie innen - so außen, wie der Teil - so das Ganze.“ [Hermetische Lehrsätze, 2. Prinzip], können wir behaupten: Wie das Individuum, so die Gesellschaft, in der es lebt und umgekehrt, bzw. die Werte, Vorstellungen und Ziele des Einzelnen spiegeln sich in der gesellschaftlichen Lebensweise, Politik und Kultur wider und umgekehrt?
Wenn das wahr ist, so gelangen wir auf der Suche nach der Verwirklichung von Freiheit im Sinne von Autonomie und Individuation zur klassischen Huhn-Ei-Frage, denn ohne einen Impuls, der diese Statik in eine Dynamik wandelt, müssen wir dem Einzelnen eine individuelle Fortentwicklung ebenso absprechen, wie der Gemeinschaft oder dem Staat eine allmähliche Evolution in Richtung der humanistische Ideale.
Doch daraus folgt noch eine zweite Schlussfolgerung: Wenn das wahr ist, so ist selbst die Möglichkeit einer Realisierung der unerreichbar erscheinenden Ideale von Beginn an vorhanden, und so, wie ein Samenkorn bereits alle Informationen der komplett ausgebildeten Pflanze enthält, so enthält der Mensch ebenso die Anlage, seine Ideale – den Samen, die Idee – zu verwirklichen.
Wenn wir die Freiheit als eine Kunst betrachten wollen, besteht die Kunst also darin, all diese Zusammenhänge zu erkennen und das Außergewöhnliche zu wagen, Impulsgeber und Katalysator zu sein?
Abgelöst von Religion und Spiritualität steht der heutige Kunstbegriff für „eine nicht primär durch ihre Zweckmäßigkeit, sondern durch ihre unterschiedlich verstandene Ästhetik geprägte“ Form der Gestaltung [Wikipedia Enzyklopädie].
Ein Spaziergang durch die Geschichte, mit Ausblick auf Gerichtsprozesse gegen Maler und Publizisten, Indizes und Bücherverbrennungen zeigt, dass Kunst ein Impulsgeber und Katalysator ist, deren gesellschaftlich-politische Zensur kongruent ist mit dem Maß an Totalität der regierenden Macht. So verwirklicht sich Freiheit also auch in der Kunst und diese wiederum erblüht in ihrer ganzen Vielfalt nur dort, wo Freiheit ist, die mehr beinhaltet, als die Befriedigung existentieller Notwendigkeiten.
Zusammenfassend können wir somit festhalten, dass sich die Kunst der Freiheit – gelebt oder ideell – in mehrere Verwirklichungsschritte oder Kategorien aufteilen lässt:
Der Einzelne muss es wagen, sich auf seinem Weg zur Freiheit und Individuation aus Platons Höhle der Schatten zu befreien und sich von „den Gefesselten“, die die Schatten an den Wänden für real halten, absondern, um die Möglichkeit zu haben, auszumachen, was real ist und was er bisher – gleich der Herde – dafür hielt. Dies ist für ihn die Zeit der Reflexion des Alten und Neuen sowie seine persönliche Beziehung dazu und bildet die Basis für eine Freiheit, die einmal als eine Kunst betrachtet werden kann.
Die wahre Kunst der gelebten Freiheit nimmt erst innerhalb des Reifegrades ihren Anfang, in dem der Balanceakt zwischen Absonderung und Integration, zwischen Bedürfnisbefriedigung und Verantwortung ihren Abschluss gefunden hat und zu einer dauerhaften Stabilität führen soll, und nach der Erkenntnis, dass dies innerhalb der Polaritäten nicht zu verwirklichen ist, sondern entweder nur mit Rückschlägen oder mit Hilfe des Transzendierens aller Vorstellungen gemeistert werden kann.
Und so, wie das Erschaffen von Kunstwerken immer eine Gabe von Einzelnen sein wird, ist es die als Kunst gelebte Freiheit ebenfalls, so dass wir dem Ausspruch Nietzsches recht geben können, dass „es immer noch die Zeit der Einzelnen ist“. [Menschliches II Wanderer 350]
Seiner Behauptung jedoch, dass nur dem „veredelten Menschen“ die Freiheit des Geistes gegeben werden dürfe, müssen wir widersprechen. Ihm muss man sie nicht mehr geben, denn er besitzt sie schon längst.
S c h i l l e r j a h r 2005
Die Freiheit - als eine schöne Kunst betrachtet
In einer Zeit, in der die Werte so wandel- und dehnbar geworden sind, wie in kaum einer anderen Epoche und einer Welt, in der der von Hunger und Kriegen bedrohte Teil der Bevölkerung beinahe täglich wächst, hängt die Definition des Begriffes „Freiheit“ und seine Bedeutung mehr denn je davon ab, auf welchem Kontinent und in welchem sozialen Umfeld wir aufwachsen und leben. Dem politisch Verfolgten, dem in seiner Menschenwürde Verletzten, dem Inhaftierten wird die Freiheit eine Notwendigkeit oder sogar eine Überlebenschance bedeuten, wo hingegen sie dem mitteleuropäischen Angestellten nur im besten Falle eine Kunst ist.
Der Freiheitsbegriff wird ihm vom Standpunkt seiner wirtschaftlichen und sozialen Privilegien aus gesehen auf den ersten Blick vielleicht sogar ein wenig antiquiert erscheinen. Wie wenig verstaubt er jedoch auch hierzulande in Wirklichkeit ist, zeigen uns vor allem die jüngeren Generationen, die sich mit Lehrstellenmangel, Perspektivlosigkeit und Sinnfragen auseinander setzen müssen und die Situation in den Schulen und Familien.
Die Kunst, von ihren Anfängen in Arbeit, Religion und Ritual abgespalten, gedeiht nur auf sattem Boden gut und obwohl wir alle im Laufe unseres eigenen Individuationsprozesses der Frage, was Freiheit uns bedeutet, begegnen, ist sie mit all ihren unbequemen Erkenntnissen und Konsequenzen kaum ein Alltagsgegenstand geworden.
Bei der Beantwortung der Frage, inwieweit die Kunst eine Wahlverwandtschaft mit der Freiheit eingehen kann, bleiben wir unweigerlich an der Definition des Begriffes an sich hängen. Was also heißt Freiheit überhaupt und inwieweit ist sie für den Einzelnen bzw. innerhalb einer Gesellschaft zu verwirklichen?
Wie wenig der Freiheitsbegriff trotz aller Aktualität zu einem Allgemeingut geworden ist oder überhaupt in bewusste Überlegungen eingeht, geschweige denn im Zusammenhang mit Begriffen wie Moral und Ethik steht, zeigen Teilantworten wie „Freiheit ist die Fähigkeit, selbständig Entscheidungen zu treffen“, „Demokratie“ oder sogar „Freiheit bedeutet, zu tun, was man will“ und „keine Verpflichtungen zu haben“. Sicher können das alles Teilaspekte, Voraussetzungen und Merkmale der Freiheit sein, doch was ist eine Freiheit, die sich von der Verantwortung für sich selbst und andere ablöst und für die Verantwortung und Disziplin gleichbedeutend sind mit Unterdrückung und Unfreiheit?
Eine so verstandene Freiheit führt den Einzelnen in eine Existenz, die sich ausschließlich an der eigenen Bedürfnisbefriedigung orientiert und diese - seine Maxime – auf Kosten von Sozialisation und einer wirklichen Individuation zum Götzen erhebt.
Der moderne Begriff von Freiheit impliziert bereits einen Gewaltmoment. Beispiele aus der Geschichte belegen nicht nur, dass das Hinwegsetzen über Freiheit und Menschenwürde zu Despotismus und Tyrannei führt, sondern auch, dass sich alle noch so liberalen Freiheitsideale auf dem Pulverfass einer Insurrektion radikalisieren und mit der gleichen Art von Machtausübung agieren, wie die zuvor bekämpften Tyrannen.
Diese Erkenntnis ist so wenig neu wie die Erfindung des Rades, denn bereits in den Hermetischen Prinzipien finden wir im Lehrsatz über das Gesetz des Rhythmus: „Alles fließt aus und ein, alles hat seine Gezeiten, alle Dinge steigen und fallen, das Schwingen des Pendels zeigt sich in allem; das Maß des Schwunges nach rechts ist das Maß des Schwunges nach links; Rhythmus kompensiert.“ [Hermetische Lehrsätze, 7. Prinzip]
Bezogen auf das Thema Freiheit bedeutet dies also, dass der Drang danach in ebenso starkem Maße besteht, in dem wir in Unfreiheit leben, bzw. auf der Handlungsebene: Die Gewalt einer Insurrektion im Namen der Freiheit ist ebenso groß, wie die der voran gegangenen Tyrannei, denn Rhythmus kompensiert immer ein Übermaß zum einen oder zum anderen Pol hin. Das heißt also, dass beide Pole (Freiheit und Unfreiheit) auf der Ebene des Erlebens sehr dicht beieinander liegen und einer Gesetzmäßigkeit folgen.
Nietzsche formulierte es so: „Wonach misst sich die Freiheit, bei Einzelnen, wie bei Völkern? Nach dem Widerstand, der überwunden werden muss, nach der Mühe, die es kostet, oben zu bleiben. Den höchsten Typus freier Menschen hätte man dort zu suchen, wo beständig der höchste Widerstand überwunden wird...“
Die Kunst besteht jedoch nicht darin, auf das Pendel zu steigen und die Kraft des schon begonnenen Rückschwunges zu nutzen. Um zu erfahren, inwieweit Freiheit als eine Kunst betrachtet werden kann, müssen wir uns nicht nur wieder dem Einzelnen zuwenden, da ein Staat ebenso aus Einzelwesen und deren Interessen besteht, sondern uns auch die Frage stellen, inwieweit Freiheit und humanistische Emanzipation als Individuum zu verwirklichen sind und ob das Kollektiv oder die Gesellschaft, deren Interessen sich mitunter erheblich von denen des Individuums unterscheiden, dabei förderlich oder eher hinderlich ist.
Was bedeutet Freiheit für den Einzelnen? In der zunehmenden Vertechnisierung und Verwissenschaftlichung der Gesellschaft und dem damit einher gehenden Verlust von sozialen Kontakten, Gemeinschaft, Ritual und Religion im Sinne von Religio = Urbindung, wird er dazu ebenso wenig Orientierungspunkte außerhalb von sich selbst finden, wie geistig-humanistische Ideale.
Die Voraussetzung für eine individuelle Definition kann somit vorerst nur in einer erhöhten Aufmerksamkeit liegen und in der Reflexion seiner Lebensumstände, die ihn in seinem Wollen und Wachsen fördern bzw. beschränken (zwei Pole). Genau an diesem Punkt legt er den Grundstein der Kunst.
Die objektive Betrachtung der eigenen Interessen, Chancen und Hindernisse sowie das nötige Interesse an der individuellen Evolution und der Akzeptanz der damit einher gehenden Unbequemlichkeit, setzt bereits einen gewissen Grad an humanistischer Reife voraus und bildet die Basis für alle weiteren Überlegungen. Ist er an diesem Punkt angelangt, so ist er vergleichbar mit dem Entfesselten aus Platons Höhlengleichnis und befindet sich bereits auf dem Weg in den „denkbaren Raum“, in dem er mehr oder weniger schmerzhaft erkennen muss, dass alles das, was er bisher zu wissen glaubte, einem Nichtwissen gleich kommt.
Er wird traditionelle Werte und Überlieferungen und deren Wertigkeit für sich selbst in Frage stellen und wird – wenn überhaupt – nur über den Weg der Kompensation wieder zu einer friedlichen Vereinigung mit ihnen gelangen. Auf diesem Weg aber wird er nicht nur Manipulationsmuster von außen erkennen und bekämpfen, sondern im fortgeschrittenen Stadium auch Selbst-Sabotageakte, Vermeidungshaltungen und selbstschädigende Verhaltensmuster aufdecken, die der ausschließlichen Bedürfnisbefriedigung angehören, was insgesamt zu einer Transzendenz dieser Bedürfnisse und der Relationen führt, in der sie gelebt werden, sowie zu der Erkenntnis, dass Freiheit, im Sinne von Autonomie und Individualisation, eines Rahmens, einer Gesetzgebung bedarf, die sich durch Sittlichkeit und Ethik definiert.
Er wird erkennen, dass der moderne Freiheitsbegriff nichts gemeinsam hat mit Verantwortung und Ethik und dass im Gegensatz dazu Verantwortung für sich selbst und andere nicht im Widerspruch zur Freiheit steht.
Auf diese Weise wird er den Schritt vom „Herdentier“ zum Individuum vollziehen und in der Lage sein, weitgehend unabhängig von Projektion und Manipulation durch Schuld und das gezielte Bedienen seiner Sehnsüchte, zu leben. Doch gerade die Bedürfnisse und Sehnsüchte werden nicht länger unbewusst nach Befriedigung in ihm verlangen – im Gegenteil: sein Status als Individuum wird ihm bewusster sein, als jemals zuvor und er wird mehr denn je erfahren, was Rainer Maria Rilke meinte, als er schrieb, dass wir alle „unaussprechlich allein sind“. Er wird sich selbst zuliebe den Mittelweg wählen zwischen Fanatismus und Bequemlichkeit, zwischen Vernunft und Instinkt und zwischen Festhalten und Loslassen und seine Entscheidungen und Handlungsweisen immer aufgrund eigener Überlegungen und unter Berücksichtigung von Ursache und Wirkung für das Ganze überprüfen.
Was aber fängt ein Kollektiv oder eine Gesellschaft mit einem freien Individuum an, bei dem die üblichen Manipulationen zu einem Großteil nicht mehr greifen, dem man weder mit Vereinzelung und Ausschluss aus der Gemeinschaft drohen, noch mit einer echten oder vorgetäuschten Bedürfnissbefriedigung ködern kann, weil es sich bereits selbst bis zu einem gewissen Grad ausgeschlossen und ein Bewusstsein über seine wirklichen Bedürfnisse erlangt hat bzw. auch Wege gefunden hat, diese zu befriedigen? Das Individuum braucht ja die Gemeinschaft und soziale Kontakte trotzdem, auch wenn das Ausmaß der Abhängigkeit ein anderes, unmittelbareres geworden ist. Es interagiert ja trotzdem mit der Umwelt und dem „Du“ und es braucht seinen ganzen Mut, eine gesunde Prise Idealismus und seine Entschlossenheit, auch inmitten von „Herdentieren“ ein Individuum zu bleiben und seine Freiheit zu bewahren.
Es liegt nahe, dass ein Staat oder eine Gemeinschaft aus machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen, wenig Engagement und Mittel daran verschwendet, seinen Angehörigen und Mitgliedern diese Freiheit in die Wiege zu legen und sie zu autonomen Individuen zu erziehen. Bestenfalls wird sich der Einzelne weder behindert, noch gefördert finden. Ein Staat bzw. eine Gemeinschaft wird seiner Aufgabe, Mittel zur Weiterentwicklung der Menschheit zu sein, nur dann gerecht werden, wenn er seine „Elternrolle“ mit Verantwortungsbewusstsein trägt, denn so wichtig die Beschneidung eines Individuums von außen für seine Entwicklung sein kann, so bedeutungsvoll ist doch ebenso eine Erziehung und Bildung zu Humanität und Individuation.
Die Idee, Freiheit und damit alle Vor- und Nachteile, die sie mit sich bringt, eingeschlossen, als eine Kunst zu betrachten, findet also ihre Realisierung für den Einzelnen zu allererst darin, gleichzeitig ein Individuum und ein gesellschaftsfähiges Wesen zu werden und zu bleiben.
Doch selbst nach vollzogenem Ausgleich zwischen Autonomie und Sozialisation befindet sich das Individuum noch immer zwischen zwei Polen, die es mit permanenter Aufmerksamkeit auszugleichen gilt, so dass wir uns fragen müssen, ob Freiheit und die Kunst, sie zu leben, darin besteht, die Wahl zu haben (und es zu wissen) und ob es genügt, zwischen Aufmerksamkeit und Bequemlichkeit zu wählen und das Ausgewählte konsequent umzusetzen.
Nach vollzogenem Ausgleich hat das Individuum die permanente Aufmerksamkeit gewählt, deren Gegenteil die Unaufmerksamkeit ist, die in unserem Beispiel mit einem Zurückfallen in die „Herde“ gleichzusetzen wäre. Eine bewusste Wahl und eine daraus folgende konsequente Umsetzung, ist hier dauerhaft unmöglich, denn das Pendel des Rhythmus verweilt niemals an einem von beiden Polen. Wählt man den einen, wählt man damit gleichzeitig auch den anderen, denn sie sind untrennbar miteinander verbunden. Niemand kann also permanent aufmerksam sein. Das Problem der Polarität findet sich auf allen Ebenen und in allen Bereichen des Daseins wieder, so dass wir – mit dem Wissen um das Gesetz des Rhythmus – immer und unabhängig von unserer bewussten Wahl zwischen zwei Extremen und in den dazwischen liegenden Schattierungen leben.
Wenn wir also Kunst als einen Begriff definieren, welcher etymologisch aus dem mittelhochdeutschen Können abgeleitet ist, und das Können als eine Gabe oder Fähigkeit, deren Besitzer ein Könner oder ein Meister auf seinem Gebiet ist, kommen wir auch ohne den Hang zum Mystizismus zu der Frage, worin die Meisterschaft im Dasein innerhalb der Polarität besteht.
Eine Antwort darauf finden wir in der buddhistischen Philosophie. Das Ziel eines Buddhisten ist es, sich durch die Entwicklung von Ethik und Weisheit vom Rad des Leidens und der Wiedergeburt zu befreien, den erleuchteten Zustand des Nirwana und damit die Meisterschaft über das Dasein innerhalb der Polaritäten zu erlangen. Dieser Anschauung zufolge entsteht das Leiden durch das Begehren und das Anhaften an weltlichen Dingen, Ideen und Vorstellungen und der damit verbundenen Illusion des „Ich“. Der Wandel, der sich nur innerhalb der Polaritäten vollziehen kann, und das Begehren fügen dem „Ich“ Schmerzen zu, denn naturgemäß begehren wir die Freude, das Glück, den Reichtum, die Gesundheit, den Frieden, die Liebe usw., was alles nur eine Seite der Medaillie, einen Pol widerspiegelt. Schmerzen erleiden wir bei dem Auftreten eines Mangels daran, so dass es immer die selben Dinge sind, die uns erfreuen und glücklich machen, wie die, die uns traurig und unglücklich machen. Dem zufolge gibt es nur außerhalb des Wandels einen unbeweglichen Punkt, an dem weder Leiden noch Begehren existieren: das Nirwana.
Eine Freiheit innerhalb der Polarität ist also nur eingeschränkt zu verwirklichen und immer mit der Gefahr einer erneuten Unfreiheit verbunden, gleichgültig ob es sich dabei um ein Individuum oder einen Staat bzw. eine Gemeinschaft handelt.
Bemühen wir zusätzlich noch das hermetische Prinzip der Entsprechung: „Wie oben - so unten, wie innen - so außen, wie der Teil - so das Ganze.“ [Hermetische Lehrsätze, 2. Prinzip], können wir behaupten: Wie das Individuum, so die Gesellschaft, in der es lebt und umgekehrt, bzw. die Werte, Vorstellungen und Ziele des Einzelnen spiegeln sich in der gesellschaftlichen Lebensweise, Politik und Kultur wider und umgekehrt?
Wenn das wahr ist, so gelangen wir auf der Suche nach der Verwirklichung von Freiheit im Sinne von Autonomie und Individuation zur klassischen Huhn-Ei-Frage, denn ohne einen Impuls, der diese Statik in eine Dynamik wandelt, müssen wir dem Einzelnen eine individuelle Fortentwicklung ebenso absprechen, wie der Gemeinschaft oder dem Staat eine allmähliche Evolution in Richtung der humanistische Ideale.
Doch daraus folgt noch eine zweite Schlussfolgerung: Wenn das wahr ist, so ist selbst die Möglichkeit einer Realisierung der unerreichbar erscheinenden Ideale von Beginn an vorhanden, und so, wie ein Samenkorn bereits alle Informationen der komplett ausgebildeten Pflanze enthält, so enthält der Mensch ebenso die Anlage, seine Ideale – den Samen, die Idee – zu verwirklichen.
Wenn wir die Freiheit als eine Kunst betrachten wollen, besteht die Kunst also darin, all diese Zusammenhänge zu erkennen und das Außergewöhnliche zu wagen, Impulsgeber und Katalysator zu sein?
Abgelöst von Religion und Spiritualität steht der heutige Kunstbegriff für „eine nicht primär durch ihre Zweckmäßigkeit, sondern durch ihre unterschiedlich verstandene Ästhetik geprägte“ Form der Gestaltung [Wikipedia Enzyklopädie].
Ein Spaziergang durch die Geschichte, mit Ausblick auf Gerichtsprozesse gegen Maler und Publizisten, Indizes und Bücherverbrennungen zeigt, dass Kunst ein Impulsgeber und Katalysator ist, deren gesellschaftlich-politische Zensur kongruent ist mit dem Maß an Totalität der regierenden Macht. So verwirklicht sich Freiheit also auch in der Kunst und diese wiederum erblüht in ihrer ganzen Vielfalt nur dort, wo Freiheit ist, die mehr beinhaltet, als die Befriedigung existentieller Notwendigkeiten.
Zusammenfassend können wir somit festhalten, dass sich die Kunst der Freiheit – gelebt oder ideell – in mehrere Verwirklichungsschritte oder Kategorien aufteilen lässt:
Der Einzelne muss es wagen, sich auf seinem Weg zur Freiheit und Individuation aus Platons Höhle der Schatten zu befreien und sich von „den Gefesselten“, die die Schatten an den Wänden für real halten, absondern, um die Möglichkeit zu haben, auszumachen, was real ist und was er bisher – gleich der Herde – dafür hielt. Dies ist für ihn die Zeit der Reflexion des Alten und Neuen sowie seine persönliche Beziehung dazu und bildet die Basis für eine Freiheit, die einmal als eine Kunst betrachtet werden kann.
Die wahre Kunst der gelebten Freiheit nimmt erst innerhalb des Reifegrades ihren Anfang, in dem der Balanceakt zwischen Absonderung und Integration, zwischen Bedürfnisbefriedigung und Verantwortung ihren Abschluss gefunden hat und zu einer dauerhaften Stabilität führen soll, und nach der Erkenntnis, dass dies innerhalb der Polaritäten nicht zu verwirklichen ist, sondern entweder nur mit Rückschlägen oder mit Hilfe des Transzendierens aller Vorstellungen gemeistert werden kann.
Und so, wie das Erschaffen von Kunstwerken immer eine Gabe von Einzelnen sein wird, ist es die als Kunst gelebte Freiheit ebenfalls, so dass wir dem Ausspruch Nietzsches recht geben können, dass „es immer noch die Zeit der Einzelnen ist“. [Menschliches II Wanderer 350]
Seiner Behauptung jedoch, dass nur dem „veredelten Menschen“ die Freiheit des Geistes gegeben werden dürfe, müssen wir widersprechen. Ihm muss man sie nicht mehr geben, denn er besitzt sie schon längst.
Eskorte fragile - 12. Aug, 14:09






