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Ge-Sucht

... ZUG

Wenn man damit aufhört, es auszuhalten und beginnt, es zu leben, geht es ganz gut. In einer Zeit von etwa drei Tagen bis zu zwei Monaten wird alles mindestens einmal umgekrempelt sein.
Auch mein Essverhalten. Wenig bleibt dann noch von dem übrig, was ich jetzt so essen kann. Der Körper verweigert dann alles, was ähnlich viel Nährstoffgehalt besitzt, wie ein Stück Pappe. Er spürt die Lebenskraft in der Nahrung bzw. den Mangel daran und verhält sich dem entsprechend.
Sehr weise. Fühlt sich gut an.

Denkanstoß: Sucht

Sucht ist, wenn man etwas an einer Stelle sucht, wo es nicht zu finden ist.
[Quelle: Kersti => Sucht]

nichtrauchen ist wie bogenschießen

nichtrauchen ist wie bogenschießen. den ganzen tag läufst du mit einem pfeil im anschlag - der gefiederte schaft in augenhöhe, die sehne bis zum zerreißen gespannt. die bauchmuskulatur ist hart wie stahl.
hin und wieder lässt man einen pfeil los, der in bester zen-manier absichtlos das ziel nicht nur trifft, sondern es mit 300 pferdestärken durchbohrt, verdampft und auf ein häuflein asche redzuiert.
der wille leitet ihn nicht in diesem kampf um macht und überleben, dieses leblose geschöpf ohne blut in den adern. es ist die kraft. es ist die leidenschaft, die so sehr brennt, dass du du in deinem eigenen schweiß gekocht wirst. erst wenn du ganz gar bist - ganz verwundbar, ganz echt - erst dann wirst du ruhe haben. vorher musst du alles kosten und jede speise ist nahrung für das feuer, das den pfeil lenkt.

Wahrnehmungsveränderung

abgesehen von einem leidensgenossen, der ähnliche dinge durchmachte, wie ich, kenne ich von niemandem diese extremen veränderungen in der wahrnehmung bei nikotinentzug.

wahrnehmungsveränderungen sind:
  1. abgesehen von einer verbesserten sinneswahrnehmung von hören, sehen und riechen, wovon die beiden letzteren eher üblich sind, sehen auch alle dinge anders aus. sitze ich beispielsweise vor einer pflanze oder auf einer bank neben einem busch, geht die wahrnehmung weit über die 5-sinne-grenze hinaus. die form und haltung einzelner blätter und ihre ordnung im ganzen "sprechen" mit mir. ich erfasse sozusagen "ihr wesen" oder die informationen, die diese pflanze ausmachen, hinter dem, was die 5 sinne oder die biologie mir dazu sagen könnten. das gespür für ihr "pflanzenhaftes wissen und sein" nehme ich intuitiv, nicht rational wahr. man stelle sich einmal vor, durch eine welt zu laufen, in der plötzlich alle dinge auf diese art zu einem "zu sprechen".

    wir nehmen die dinge ja deshalb als das wahr, was sie sind, weil von ihnen bestimmte schwinungen ausgehen. diese schwingungen - gepaart mit unseren - entscheiden, wie wir die dinge wahrnehmen: hart oder weich, weiß oder rot oder grün. das macht den unterschied bei allem - die unterschiedliche schwingung. in der physik können wir die dichte eines gegenstandes oder stoffes dadurch bestimmen, dass wir die schwinungsfrequenz und -amplitude messen. normalerweise nehmen wir diesen schwinungsunterschied nur allein deshalb wahr, weil wir es sehen und berühren, riechen - durch die fünf sinne eben. ich kann all das wahrnehmen über die fünf-sinne-grenze hinaus. alle dinge teilen mir noch etwas mehr mit - ihr geheimnis. ich erfasse ihr wesen, sie zeigen es mir und sprechen dadurch. die von menschen geschaffenen dinge sprechen unklarer. sie schwingen ja natürlich auch, doch sind es meist misch-stoffe. oft nehme ich von dieser materie eher das war, was ihr besitzer damit verband und somit seine schwingung, die auf die des gegenstandes trifft. ist es ein geschenk an mich, kommt noch die hinzu, die er mit mir verbindet.


  2. die körperliche empfindungsfähigkeit wird so extrem gesteigert, dass ich mir in meiner eigenen haut ganz fremd vorkomme. das kann auf die verbesserte durchblutung zurück zu führen sein. die ist aber bei allen werdenden nichtrauchern verbessert und erklärt den grad der veränderung nicht. nicht eine körperliche handlung - auch nicht die simpelste - kann dann auf die gewohnte, unbewusste art durchgeführt werden - nicht einmal die atmung.


  3. die kommunikation zwischen mir und meinen mitmenschen ist ebenfalls extrem verändert. gab es von meiner seite als raucher bisher ein gezieltes abwarten auf eine aussage, kehrt nun in verstärkterem maße, als in meiner kindheit und jugend, das wissen darüber zurück, wie die aussage lauten wird. manchmal nur vom sinn her, manchmal wortwörtlich. als jugendliche hatte ich damit oft probleme, weil ich bereits reagierte auf dinge, die nicht ausgesprochen worden waren oder sogar auf dinge, die meinem gegenüber nicht einmal bewusst waren. man kann sich vielleicht die verwirrung vorstellen, die das oft auslöste. eine maßnahme, die ich ergriff, als ich das problem begriff, war, dass ich mich dazu erzog, nichts wahrnehmen zu wollen. das funktionierte ganz gut - mit zigarette beinahe perfekt.


  4. die eigenwahrnehmung der psyche ist ebenfalls extrem gesteigert. unbewusste emotionen und verhaltensmuster rollen mit ihrer erkenntnis an mich heran wie eine tsunami. ich bin imstande, meine gedanken intuitiv beinahe "zu sehen".
in der summe bewirkt nikotinentzug eine überlastung der wahrnehmung in allen richtungen, was dazu führt, dass ich einen erhöhten schlaf- und verarbeitungsbedarf habe und die gesellschaft von menschen am liebsten meide, da ich mich gerade für sie als "unzumutbar" empfinde. ich selbst bin mir dann zwar ebenfalls oft too much, aber wenigstens muss ich niemanden sonst damit konfrontieren.

die beschäftigung mit der autobiographie von c. g. jung ist mir dabei eine große verständnishilfe.

Die Welt stinkt

alle gerüche sind so groß. die nacht kommt mit gerüchen, die mir fremd sind. es erscheint mir, als hätte ich sie seit meiner kindheit nicht mehr gerochen. die nächte riechen nach kindheit, nach sommererde und schweren blüten, nach gras.

alles zivilisierte stinkt erbärmlich, wenn man aufhört, zu rauchen. die autos, die eigene wohnung erscheint einem muffig nach so vielen tagen des rauchens, die klamotten, ja man selber.

ich frage mich, wie weit ich mich in den mehr als 15 jahren nikotinkomsum von mir selbst entfernt habe. weit - ist die antwort. sehr weit. ich weiß nicht, wie man erwachsen ist, ohne rauchen. es erscheint mir, als wüsste ich nichts. nichts von mir und nichts von den dingen, wie sie wirklich sind, nicht einmal von denen, die man mit den 5 sinnen wahrnehmen kann.

ich denke, dass ich die destruktiven verhaltensmuster, die man mir sozusagen "vererbte" auf diese weise weiterhin auslebe. das "ich kann und bin nichts und werde nie was sein oder haben" von früher setze ich auf diese weise weiter fort. vielleicht auch nur, um nicht festzustellen: ich kann und bin nichts und werde nie was sein oder haben.

die erbärmliche wahrheit ist: ich fürchte mich halbwegs zu tode. das erscheint mir beinahe wie ein schlechter witz, denn ich fürchte mich wenig vor den dingen, vor denen sich die meisten leute so fürchten. doch ich fürchte mich definitiv und zwar vor mir selber. ich denke, damit geht es mir nicht viel anders, als den meisten leuten - nur anstatt mein leben mit dieser unbewussten furcht zu verdämmern, habe ich gerade das zweifelhafte vergnügen, es hautnah und akut zu erleben.

ich fürchte, noch viel andersartiger zu sein, als ich es jetzt schon bin, was unsinn ist, denn abgeschiedener als abgeschieden kann man wohl kaum sein, und kaum fremder als fremd. dabei geht es gar nicht so sehr um das verhältnis zu anderen menschen - es geht um das verhältnis zu mir selber. zu wem sage ich "ich"? alle bestandteile, die ich als "ich" definierte lösen sich auf - mitten am hellichten tage. ich bekomme leider nicht die gnade, daneben zu stehen und dabei zuzusehen. ich bleibe drin und schaue dem "mir" bei der auflösung zu. manchmal bin ich mir echt too much!

es ist bitter, wenn selbst D A S kaum in der lage ist, einen davon abzubringen...

Nikotinabusus

die luft ist schwer. ich bin es auch. ich stolperte über die pappelwiese, fast so, als wäre ich ein wenig betrunken. die erde dampft. vom tümpel mit entengrütze quaken die frösche, ein wenig gequält, so will es mir scheinen. überhaupt ist alles anders. ich bin ver-rückt, schaue von woanders her, als vorher. mein armes hirn bekommt wieder sauerstoff. ich hab ihm versprochen, dass es so bleibt. es kann sich nur noch nicht entscheiden, ob es das derzeit so toll finden soll oder nicht.

meine lungen zumindest finden es toll. mein heimtrainer bescheinigt mir das - noch vor wenigen tagen utopisch erscheinende - fitnesslevel 2. ein werdender nichtraucher ist schon ein armes würstchen. er wird beinahe schizophren an der wahrnehmung, dass er sich einerseits gigantisch fühlt und andererseits wie das ärmste geschöpf der erde, da er NIE WIEDER glücklichsein kann, denn es fehlt im ja sein suchtstoff.



alle dinge brennen sich in mein hirn, als würden sie da für die ewigkeit hinein fotografiert, die fliegenden pollen, die mich zum niesen bringen, eine alte dame auf krücken mit einem überdimensionalen pflaster an der linken ferse unter ihrer feinstrumpfhose. sie läuft in pantoffeln über die straße.
zum wiederholten male lese ich die autiobiographie von c. g. jung, einer der von mir am meisten bewunderten menschen des letzten jahrhunderts. er ist ebenso ver-rückt wie ich :-)

Rauchentzug Tag 3

Entzugsbarometer nach 15 Jahren rauchen

Wertung:
1 = suizidgefährdet
2 = ich bin noch da
3 = verdammt mies
4 = ziemlich mies
5 = es geht so
6 = ganz gut
7 = gut
8 = super
9 = ich heb die welt aus den angeln
10 = juchu - ich bin größenwahnsinnig

Analyse:

körperliche Entzugserscheinung ==> 5
geitsige Funktionsfähigkeit ==> 7
Lebensfreude ==> 7
Unsinn in der Birne ==> 5
Ängste ==> sie erheben sich langsam aus ihren grüften
Hoffnung ==> ich verweigere die aussage
Skepsis ==> 10

Freitext

Ein Rückfall in drei Tagen, eine Beziehungskrise, ein neuer Versuch. Ich schimpfe mich einen Waschlappen und werde zynisch. Wer zynisch ist, braucht nicht traurig sein.

Rauchentzug Tag 1

Entzugsbarometer nach 15 Jahren rauchen

Wertung:
1 = suizidgefährdet
2 = ich bin noch da
3 = verdammt mies
4 = ziemlich mies
5 = es geht so
6 = ganz gut
7 = gut
8 = super
9 = ich heb die welt aus den angeln
10 = juchu - ich bin größenwahnsinnig

Analyse:

körperliche Entzugserscheinung ==> 5
geitsige Funktionsfähigkeit ==> 5
Lebensfreude ==> 9
Unsinn in der Birne ==> 9
Ängste ==> nicht darüber nachdenken
Hoffnung ==> ich verweigere die aussage
Skepsis ==> 9

Freitext

MEIN GOTT - wo kommt auf einmal so viel Zeit her? WO war die vorher? Und warum vergeht die auf einmal so langsam?

sucht I

ich rauche immer noch. kein wunder! das leben muss warten, derweil lebe ich ein halbes leben, vor dem rest fürchte ich mich halbwegs zu tode.

ich muss auch warten - auf mich. und auch auf die geschenke und flüche, die das clean-sein mit sich bringen. ich sehe nichts und höre nichts, aber ich schlafe zumindest gut!

sarkastische gedanken zur nacht...

Die täglichen Gedankenfürze

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es ist herbst. das verfilzte gras am ackerrand wächst...
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in december 1982 klaus nomi performed "cold song"...
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<3 danko jones :-)
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