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Gedankenfuerze

vertrauen

papierflieger

malu fati - menschen stoßen aneinander - so zufällig und leicht scheinbar, wie einem ein papierflieger an den kopf segelt.
doch in jeder sekunde verändern sie einander und sich selbst - mal mehr, mal weniger, je nach kraft, reflexionsvermögen, vertrauen und lernbereitschaft.
wie ist es möglich, mit dieser wahrnehmung an sich selbst zu glauben, als ein individuum - einsam und über allen gesetzen der stofflichkeit und feinstofflichkeit?
wie ist es möglich, sich so außerhalb der EIN-heit wahrzunehmen, in der jeder alles und alles jeden immer - jetzt - berührt?
im herzen und im leben ist so viel an liebe zu leisten, bis ein mensch bereit ist für seine eigenen untiefen, als wären sie feindesland, das nur mit behütend-liebender hand zu betreten gewagt werden kann, damit es wenigstens EINE instanz gibt, die einen um der ganzen brachliegenden ungeuerlichkeit des geschauten wegen nicht ganz verstößt.

... an diesem punkt beginnt vertrauen.

Stille

"An und für sich ist das Wort weniger als der Gedanke, der Gedanke weniger, als die Erfahrung. Das Wort ist Filtrat, und was sich darin niederschlägt, ist des Besten beraubt."

Das ist der Grund, warum ich derzeit keine Worte habe und keine mache.

Bestimmung

Angeregt von Spiritchild schreibe ich über Bestimmung.
Eskorte fragile ist meine Bestimmung. Die Prozesse sind in Wandlung - sie werden, was sie sind. Eskortieren verändert sich. Doch nach wie vor, ist es meine Bestimmung. Ein Weg bin ich. Ein Spiegel. Eine Tür.

Metamorphosen

Dieses Stille jetzt und das Zurückgezogene, das kommt nicht von ungefähr, will sich doch etwas ganz Neues (Altes) bilden - steckt in den Kinderschuhen (und ist schon ein Greis) und wartet auf seine Lebenszeit.
Was mich einmal als Persönlichkeit ausmachte - oder das, von dem ich glaubte, es mache mich aus - das wird unscheinbar, unsichtbar und schwindet. Das zeigefreudige von vorher, das nimmt so rapide ab, dass ich daneben stehen und zusehen kann, wie es geschieht. Ein Nach-außen-zeigen-wollen verliert sich, nur die Offenheit bleibt. Alles Darstellenwollen - und sei es noch so authentisch, vergeht.
Und was folgen will (was schon immer da war), das zeigt sich schon (immernoch).

Morphogenetische Stille

Heute morgen regnet es. Die Wolken kratzen an den Dächern entlang und bluten immer mehr Wasser.
Um mich herum ist es still. Kein Mensch, kein Zug verursacht ein Geräusch. Eine schwarze Frau mit schweren Lidern und Geigenkasten zieht an mir vorüber, ohne dass sie den Boden berührt. So viel Schönheit am Morgen ist fast atemberaubend. Aber nur fast, denn irgendwie rechnet man am Morgen noch mit einem Wunder.
Die Bahnhofsuhr zählt ihre Striche. Für jeden Lidschlag ein Leben, für jeden überwundenen Strich im Kreis von vielen ein durchwehtes Atmen.
Am Bahnhof winkt jemand ein Nimmerwiedersehen. Die Strichfiguren auf meiner Papiertüte, die das Frühstück verbergen, sind mir unheimlich. Ein Mann, eine Frau, ein Kind. Sie stehen so weit auseinander, dass sie das händehaltende Kind beinahe zerreißen. Mit angedeutetem Elan. Und lächelnd - versteht sich.
Im Zug hantiert eine Frau ihre Sachen aus Tüten und Behältnissen. Nichts gibt es, für das sie nicht ein Säckchen, ein Döschen in der passenden Farbe gehabt hätte. Die Brille, den MP3-Player, den Lippenstift, das Buch, ein Federmäppchen. Zuletzt die Taschentücher in einer schicken Lederbox. Ich überlege, wie es wohl in ihrer Wohung aussieht. Stelle mir Regale voll eingeschlagener Bücher vor, auf die handschriftlich die Titel aufgetragen wurden, damit man noch weiß, was im Regal steht. Wunderbar uniform, die Büchrücken auf Kante gerückt. Und wie sie nähend sitzt, um noch mehr Säckchen zu gebären.
Meine Lider klappen zu. Neben der Stille stellt sich nun auch Dunkelheit ein. Ideal zum Schlafen. Ideal zum Wachsein.

Die Strömung

Alle Flüsse, alle Straßen und Wege
führen derzeit hin zu einem Nicht-Punkt,
als gäbe es ein saugendes, lebendiges Loch in der Erde,
worin sie verschwinden.
Dieses Loch zieht stark und stärker
mit jedem Tag
und was sich bewegt
zu Wasser, zu Land und in der Luft
wird schneller und schneller,
wie ein Esel, der den heimatlichen Stall wittert,
Futter und Wärme
doch um so vieles dringender zieht es.
Häuser und Türme brechen,
die Bäume knicken in diesem Sog.
Alle Umwege, die ich denke,
führen zu guter Letzt doch nur dorthin,
egal wohin ich mich wende,
alles endet in diesem Loch,
das sich nicht wirklich irgendwohin öffnet –
weder in die Erde, noch in den Himmel. –
das sich überall hin gleichzeitig öffnen will,
und das nur dunkel ist, weil ich nichts darüber weiß.
Und wenn ich etwas darüber weiß,
dann habe ich es vergessen
oder ich habe begonnen, zu sortieren
zu etikettieren und zu interpretieren
und habe deshalb sein wahres Wesen vergessen.

Die Verfestigung

Ich misstraue der Form. Jeder.
Dem Wort, dem Bild, der Vorstellung.
Der Materie. Dem Ausdruck an sich.
Der gesehenen Geste – und der noch am Wenigsten…
Ich misstraue ihr, bis ich Tiefe spüre.
Bis ein Schauen möglich ist.
Bis es vibriert und Echtheit bekundet
an einem meist verborgenen Nicht-Ort,
der nirgendwo ist und doch in allem.

Das ist einer der Gründe,
warum ich oft keine Form finde – keine Erdung dafür.
Kein Wort, kein Bild,
vielleicht noch eine Geste…. vielleicht…
Und findet die Form mich,
dann muss es gewittern und stürmen.
Niemals kommt das leise.
Und ich erlebe „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ Und es gibt keinen Hunger und keinen Durst mehr und auch sonst keine Bedürfnisse oder Befindlichkeiten oder Wünsche, außer dem sich Entäußernden seinen Willen zu lassen.
Und wer dem begegnet, könnte mich für verrückt erklären.
angesichts dieser Blöße, die dort beinahe wütet ohne Wut.

Die Formen, die ich finde,
sind ein Nichts dagegen.
Leise und kraftlos dümpeln sie dahin
und fügen sich fest aus einzelnen Spänen
die blass und farblos eingesammelt wurden,
weil sie zufällig irgendwo herum lagen
und ich daran vorbei kam.

Das Eve-Koan

Die alleralltäglichste Verrichtung beginnt bedeutungsvoll zu werden. Einen Topf aus dem Schrank heben, das Waschbecken putzen, Kartoffeln schälen... reicht bis zum Ursprung und ist ohne Anfang und ohne Ende.

Der graue Faden war nur kurz

Die Arbeit beginnt nun, mich zu erfreuen.
Die frühen Morgende, zwar immer noch eine Weile sehr müde, aber nicht mehr schwer, kommen wie Freunde.
Es gibt nun ein gefülltes Nichts.

Konsequente Gedankenschleife

Konsequenz ist mitunter ein ziemlich lästiges Ding. Bei allem Guten, das sie nach sich zieht, kann sie sich bis zur Verbohrtheit auswachsen, als "Strenge" betitelt werden von allen, die es nicht, oder nicht so sind, weil ich nicht verstehe, wie man Zustände aufrecht erhalten kann, die unhaltbar sind - gegen die sich innerlich alles sträubt, ohne kurz- oder mittelfristig etwas dagegen zu unternehmen.
Das hat wenig damit zu tun, dass die Welt so zu funktionieren hat, wie ich das gern hätte oder für richtig halte.
Es ist eine ganz pragmatische Angelegenheit: Alles, was ich tue oder lasse, wird die entsprechenden Folgen nach sich ziehen. Wie ist es möglich, mit sich geschehen zu lassen, ohne gestaltend einzugreifen, wie ist es möglich, sich Tag um Tag und Jahr um Jahr zu beklagen über Unhaltbares und es doch zu halten?
"Die Furcht" ist die einzige Antwort, die mir dazu einfällt.
Eine Furcht, die das Morgen betrifft, die das Jetzt völlig außer Acht lässt, als existiere es nicht.
Und wenn ich mich an dieser Betrachtung weiter hangele, dann ergeben sich die nächsten Fragen: Wie kommt einer darauf, dass er morgen genauso weiterleben muss, wie er es heute getan hat? Wie kommt einer zu dem Glauben keine Wahl zu haben? Wie kann einer in einem Morgen etwas noch Schlimmeres befürchten, wenn das Heute schon so überaus elend und unzufriedenstellend ist? Was ist schlimmer, als ein schlimmes Jetzt, dass man selber wählt, weil man der Furcht Nahrung gibt? Wie geht das, dass einer aus Furcht all seine Verantwortung in die Umstände legt? Und was gibt es in Wirklichkeit zu befürchten?
Wenn ich da bis zum Ende denke, gelange ich bei den ganz archaischen Dingen an: Das Überleben mit allem, was es ausmacht. Dazu gehören Krankheit und Tod, wozu alle lebensnotwendigen Dinge zählen, wie Essen, Trinken, Schlafen und Wärme, sowie soziale Integration.
All die Dinge, die einen erhalten. Fehlt eins, wird man krank.
Aber war es nicht zu allen Zeiten so, dass wir uns vor allem vor dem Unbekannten fürchteten? Vor Machtlosigkeit oder vor einem Machtvolleren? Vor einem Ende des Ich? Das wiederum im Morgen ist oder im Gleich, nie aber im Jetzt? (Was haben wir mit unserem Jetzt gemacht - dem einzigen ortlosen Ort und der einzigen zeitlosen Zeit, wo und in der wir wirklich sein können? Ignorieren wir das in unserer Furcht?)
Wenn ich nach Spuren dieser Furcht suche, dann finde ich sie auch in mir. Konsequenz ist ein wirklich lästiges Ding.

Die täglichen Gedankenfürze

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