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Gedichtet

niemandsland

(falsches haiku)

dämmerung
der apfelbaum wirft schatten
ich liege und werf keinen

Schenke mir einen Liebenden


Schenke mir einen Liebenden

von 2003

Experimentiert...

hin und weg

(Damals auf Grund Speicherplatzprobleme gelöscht, nun auf Wunsch wieder eingestellt.)

Vogel, du

geschleudert
aus enger Wenigkeit
kraftvoll
hinauf in die Sommerhimmel geworfen
hinein ins Spiel der Engel und Libellen

Vogel du
- freier -
und in der Freiheit neu geschöpfter
lass mich Luft sein
deinen Flug zu tragen
die Windhände
nicht ganz
an deinen Bauch gefaltet
doch fast....
nur einen Herzschlag breit darunter

einen Herzschlag
für dein Wünschen
einen
für mein Wolkensein

meinen Rücken will ich biegen
wenn du reitest
mit sichren, warmen Schwingen

lass ihn
und flieg

flieg

WILLKOMMEN


Der Tag, an dem du ankamst
derselbe, an dem ich ankam
wie verwehte Asche
auf still gelegten Gleisen
im Sommer
dessen Süße kaum erträglich
durch des Mangels Schmerz
ein Tag, an dem Schönheit schmerzt.

Wir trugen die Asche
der erschlagenen Leichen
wilder Sehnsüchte zueinander
- Oleanderbüsche waren sie einst -
und hielten sie einander entgegen
in Händen
geformt wie eine Schale
eine Schale voll Asche als Dünger
für Blüten ohne Namen noch
und streuten sie in unseren Garten.
Wir hielten uns an den Händen
bange wohl
welche Saat dort gedeiht
und weil wir sie auch
mit Tränen gossen
die stillen Samen der Hoffnung
mit den heißen, ungeweinten, lauten
gebar sich das Willkommen
fast vor seiner Zeit
aus Gräbern von Hinterlassenem.

Und als die Hände glauben lernten
geformt wie sie waren
- eine Schale - noch immer -
zum Betteln, zum Schenken, zum Nehmen
da gedieh unter ihnen
ein kleines Stück Eden
und ein kleines Stück Himmel daran.

Und alle Länder enden hier
und alle Wege auch
und alle wund gegangnen Füße
und jedes Knien im Staub.

Und aus der weit gewölbten Brust
der unendlich weichen und sanften
wachsen zwei große Flügel heraus
mit Händen an den Enden
zwei, die nicht taugen zum Betteln
und halten
Oleanderblüten
mit einem Lächeln
gepflückt aus unserem Garten

copyright: eskorte fragile / 2001

Morgen danach

Wir haben das Meer der Einsamkeit
und die Weite der Nacht durchspalten
erst jetzt zur kommenden Morgenwende
darf ich leis deine zitternden Hände halten
mit Bitte voll bis zum Rand
Wir wiegen uns zärtlich
bis in den Morgen
wund bis an die Seelenwand.
Und alle unsere Herzensweiche
entband sich sanft von sieben Siegeln
als uns die ganze Schande traf
Gesicht zu haben unter vielen

Abschied


Als der Schnee zum Himmel fiel
und alle Flöße
Brücken waren
über zugefror`nen Flüssen
und niemand
das Wort „Nie“ verstand
da habe ich dich zugedeckt
mit Blüten aus Vergißmichjetzt
und sang dir das Kaddisch

Unter dem wiegenden Halm
am nächstbesten Weg
hab ich den Staub aller Straßen gekostet
und dir die Münzen unserer Zungen
sanft auf die Lider gelegt

war zum Lebwohl
noch einmal
ganz Mund
ganz dein

dann

nur noch mein
bis der Tag kommt
an dem du nicht mehr alterst
und Schnee zum Himmel fällt

Lektion in Demut

Ich hab mich durch das feinste
Sieb, das ich fand, geschlagen.
Dort wartete das Kleinste,
und bat mich leise ums Ertragen.

Wie ein Gottgedanke schleicht es
einsam durch des Zweiflers Brust,
doch bei so viel Stolz verbrennt es
und verzehrt die Lebenslust.

Auf der Zunge, tief im Rachen,
klebt der Münze Kleinigkeit
ich versuche noch ein Lachen,
zu laut und voll von Bitterkeit.

Ein Schloss auf Sand wollt ich erhalten,
doch der rieselt durch die Uhr,
der vollen Stunde Schreckgestalten
finden leer die Hülle nur.

In die Stille fragt es wieder,
das Filtrat aus dem Gesiebten,
und es singt mir leise Lieder
vom Mythos Gott, der den Geliebten

aufhebt wenn er vor ihm kniet.
Nun küss ich still den Staub der Erde,
so, dass kein einz´ger Käfer flieht,
mit neuer, beugender Gebärde.

2/2004

Einsamkeit

Einsamkeit
du voreilige Geliebte
wie eifersüchtig schließt du aus
der inneren Geweide werden
in tautropfenden Nächten
zur Neige gefüllt
mit Raum greifenden
und doch stillen Gebärden.
Verschwiegen ersehnst du
der Hoffnung Morgenröte
der Erde Öffnung
die Geburt des Ersten
in der Höhle feuchter Enge
und auch den Tod des Letzten
welcher laut stirbt
und stille zugleich.
Verschwiegen beredt
sind deine Lippen
bereit für den Schrei
und bereit für den Kuß
und bereit auch
für den Honig und den Wein
dass sie dich auf ewig erlösen
auf dass du nur noch Nebel bist
über einsamen Novemberfeldern
und in des Raumes
dunkelster Ecke
ein Gebetsbuch
ohne Zeichen.

09.08.2003

Mutter unser

Mutter unser
die du bist in der Zeit
man hört die Nadeln fallen
hinter dem Rauschen
der verbrauchten Stunden.
Sie fallen wie Steine.

Die eigene Brust entfernter
als meine ausgestreckte Hand
wer wird noch sagen können
wem sie gehörte
wenn auch sie fällt
als gelte es, die Erde zu spalten?
Ich werde den Tee wie immer trinken
und keine Schlucke üben.

Ein Mund voll Seife ist besser
als einer voll Dreck.
Wer sauber ist, hat Recht.
Und Dreck ist schließlich anderswo
als Tanten und Väter und Arbeitszeit.

Die Nadeln fallen wie Steine
herab auf die lachende Menge
als hätte jeder
kurz vor dem Aufprall
noch einen Witz zum Besten gegeben.
Sie fallen in bestellter Menge
herab auf wartende Schädel.

Mutter unser
dein ist die Schwäche
und die Ohnmacht
und die Dämlichkeit
in Endlichkeit.

Amen


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